Druckansicht Wednesday 15. December 2010

Kirche und ORF setzen auf die "europäische Wiedervereinigung"

Traditionelle Advent-Begegnung des Wiener Erzbischofs mit dem ORF Wien (Kathpress)

Die Bedeutung der "europäischen Wiedervereinigung" betonte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwochabend bei der traditionellen Advent-Begegnung mit dem ORF im Wiener Erzbischöflichen Palais. Die EU-Ost-Erweiterung sei "eine Herausforderung, der die Kirche mit dem Mitteleuropäischen Katholikentag entsprechen will". An der Adventbegegnung nahmen mit Generaldirektorin Monika Lindner an der Spitze die Mitglieder der ORF-Geschäftsführung sowie zahlreiche ORF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teil. Kardinal Schönborn erinnerte daran, dass schon beim letzten Katholikentag 1983 bei der Europa-Vesper mit Papst Johannes Paul II. auf dem Wiener Heldenplatz die "Verantwortung der Christen für das gemeinsame Europa" im Mittelpunkt gestanden sei. Damals habe das noch utopisch geklungen; mittlerweile werde die europäische Wiedervereinigung Realität. Erste Impulse für einen neuerlichen Katholikentag seien von der Katholischen Aktion ausgegangen; dann habe die Idee gezündet, den Katholikentag gemeinsam mit den östlichen Nachbarländern zu gestalten. Höhepunkt des Katholikentags wird - wie Kardinal Schönborn ankündigte - die Wallfahrt der Völker am 22./23. Mai 2004 sein.

Im Zusammenhang mit dem Einsatz für Europa gratulierte Kardinal Schönborn dem ORF zur erfolgreichen TV-Sendereihe "Donauklöster", die "eine wichtige Initiative" sei, mit der die Klöster als ein Netzwerk der Kultur und der Identität Europas präsentiert werden. "Das bewusst zu machen, ist ein wichtiger Beitrag, ein Baustein auf dem Weg zur Wiedervereinigung Europas", sagte der Kardinal.
Im Hinblick auf die im kommenden Jahr bevorstehende große Wiener Stadtmission betonte der Kardinal, dass die Kirche in Wien es bewusst wage, das Wort Mission wieder in den Mund zu nehmen. Trotz seiner geschichtlichen Belastung sei dieses Wort aber "ein Grundwort des christlichen Glaubens": "Wir möchten, was uns wichtig ist, klar in der Öffentlichkeit zur Sprache bringen". Für das Experiment Stadtmission sei auch die Erfahrung ausschlaggebend gewesen, dass "die Großstadt immer ein Schauplatz geistiger Prozesse ist".

Lindner: Ängste vor Ost-Erweiterung abbauen
ORF-Generaldirektorin Monika Lindner sagte die Unterstützung des ORF beim Projekt des Mitteleuropäischen Katholikentages zu. Im Zuge der bevorstehenden EU-Ost-Erweiterung sei es eine Aufgabe des ORF, in der österreichischen Bevölkerung Verständnis für die Nachbarländer zu wecken. "Angst kommt aus dem Nichtwissen. Mit dem Programm des ORF wollen wir versuchen, diese Ängste abzubauen", so Lindner.
Zugleich müsse der ORF Anstrengungen unternehmen, "um in ganz Europa gesehen und gehört zu werden". Die Generaldirektorin wies auf die Marktführerschaft des ORF im Bereich der Berichterstattung über Religion hin: "Kein anderer Sender in Europa gibt der Religion diesen Stellenwert", sagte Lindner. Jede Woche gebe es 3,5 Sendestunden Religion im Fernsehen und fünf Sendestunden im Radio. Die Religionssendungen hätten beim Publikum hohe Akzeptanz, wie sich an den 600.000 Hörern der Radiomessen und den großen Reichweiten der TV-Magazine "kreuz&quer" und "Orientierung" zeige. Ein klärendes Wort sagte die ORF-Generaldirektorin im Hinblick auf das Verhältnis zum Wiener Diözesansender "Radio Stephansdom": "Wir sind keine Konkurrenten, sondern kämpfen Schulter an Schulter".


© Mitteleuropäischer Katholikentag 2004