Druckansicht Wednesday 15. December 2010

"Grenzen Europas"

Am Beispiel der Diskussion um einen EU-Beitritt der Türkei lotete die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) bei ihrer Frühjahrstagung in Salzburg die Grenzen Europas aus. (Kathpress, 22.2.03)

Am Gespräch über die Grenzen Europas beteiligten sich neben den 60 Delegierten aus ganz Österreich auch drei Bischöfe: Der für die Katholische Aktion zuständige Linzer Bischof Maximilian Aichern, der steirische Diözesanbischof und Europa-Referent in der Bischofskonferenz, Egon Kapellari, und der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser als "Hausherr". Fazit des Gesprächs: Die EU habe es bisher verabsäumt, sich über ihre Identität und ihre tragenden Werte verbindlich zu verständigen. Hier bestehe Handlungsbedarf für die Christen.

Bischof Kapellari bezeichnete in seinem Hauptreferat die EU-Erweiterung generell als wichtige Chance für Frieden und Stabilität in Europa, meldete aber Skepsis über die Integrationsfähigkeit der Türkei an. Der frühere Außenminister Peter Jankowitsch betonte die Hinwendung der Türkei zum Westen und forderte, die EU müsse offen bleiben für alle, die sich zu ihren Werten bekennen. Die Türkei sei im Lauf der Geschichte eindeutig eine europäische Großmacht gewesen und habe seit Atatürk den Weg in den Okzident eingeschlagen. Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Lunacek, sah im Beitrittsprozess der Türkei eine wichtige Chance, die Demokratie in einem muslimisch geprägten Land zu stärken. Die EU habe nie definiert, welchen Raum sie darstelle, einen "rechtsstaatlich-politischen, einen kulturell-abendländischen oder einen rein wirtschaftlichen".

ÖVP-Landtagsabgeordneter Michael Neureiter schließlich meinte, die Solidarität dürfe "nicht in Brüssel enden". Er forderte Lobbying auch in Wertefragen und betonte die "Informationspflicht" in Bezug auf den Islam, um den Dialog sinnvoll führen zu können.

Kapellari verwies auf den Beitrag des Christentums für den "Wertehaushalt europäischer Gesellschaften", auch wenn diese säkularisiert seien: "Die christlichen Kirchen haben viel größere Ressourcen an Spiritualität, Solidarität und Barmherzigkeit als andere große Gemeinschaften". Die Christen in Europa rief Kapellari daher auf, sich ihrer eigenen Identität klar zu sein und "mitzureden und mit zu gestalten im demokratischen Konzert der Europäischen Union".


© Mitteleuropäischer Katholikentag 2004