Druckansicht Wednesday 15. December 2010

Großes Interesse am Mitteleuropäischen Katholikentag in der Slowakei

Enger Zusammenhang mit dem EU-Beitritt am 1. Mai 2004 -Grenzüberschreitende Versöhnung ist eines der zentralen Elemente des Katholikentags. (Kathpress, 26.11.03)

Die Verantwortlichen des Mitteleuropäischen Katholikentags rechnen mit einer starken Beteiligung aus der Westslowakei für die "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell am 22. Mai 2004. Die eigentliche Mobilisierung werde etwa im März erfolgen, wie jetzt in Preßburg zu erfahren war.

Bei einer "Kathpress"-Journalistenreise in Zusammenarbeit mit dem Büro des Mitteleuropäischen Katholikentags (MEKT) war von politischer und kirchlicher Seite außerdem viel über die Aktivitäten rund um den 1. Mai 2004 zu hören; an diesem Tag tritt auch die Slowakei der Europäischen Union bei.

Den engen Zusammenhang zwischen dem "Paukenschlag" der EU-Erweiterung am 1. Mai 2004 und dem Mitteleuropäischen Katholikentag hatten erst vor einer Woche Kardinal Christoph Schönborn und der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jan Graubner, hervorgehoben. Schönborn und Graubner äußerten sich nach den Beratungen der Vorsitzenden der acht am MEKT beteiligten Bischofskonferenzen (Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Slowakei, Tschechien, Polen und Österreich). Die Beratungen hatten das "grüne Licht" für das Konzept der "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell erbracht, die am 21./23. Mai 2004 den Höhepunkt des Katholikentags bilden wird. Die Katholiken aus acht Ländern in der Mitte Europas wollen dort - so Konzept und Motto - "Christus als Hoffnung Europas" bezeugen.

Drei Wochen vor dieser grenzüberschreitenden Großwallfahrt gehen in den Hauptstädten der EU-Beitrittsländer große Feste über die Bühne.
Preßburgs Bürgermeister Andrej Durkovsky berichtete dazu, dass das Konzept "seines" EU-Festes am Wochenende 30. April/2. Mai zwei Aspekte vorsieht: Auf den Plätzen der Altstadt sollen Performances von Künstlern stattfinden; in der südlichen Vorstadt Petrzalka ist für 30. April abends ein großes Jugendevent mit zahlreichen Rockgruppen und einem Feuerwerk vorgesehen. Der Samstag, 1. Mai, soll dann in Form eines grenzüberschreitenden "Familienfestes" begangen werden.

Der frühere christdemokratische slowakische Spitzenpolitiker Jan Carnogursky sieht den erfolgreichen Abschluss der Beitrittsverhandlungen zur EU nicht zuletzt als Verdienst seiner Partei. Der einstige Ministerpräsident Vladimir Meciar habe zwar die Teilung der Tschechoslowakei realisiert; "wir jedoch haben die Slowakei zurück zur Demokratie geführt und zum Mitglied der EU gemacht", so Carnogursky. Der Weg der neuen Slowakei sei eine echte Erfolgsgeschichte, meinte der Politiker: "Heute konkurrieren wir in verschiedenen Bereichen erfolgreich mit Österreich".

Durkovsky und Carnogursky wiesen allerdings auf die regional sehr unterschiedliche Dynamik hin. Während der Großraum Bratislava ein rasantes Wachstum verzeichne, wobei die 500.000-Einwohner-Stadt allein 30 Prozent des Nationaleinkommens des Fünf-Millionen-Landes erwirtschafte, bleibe der Osten des Landes zurück. Die Arbeitslosigkeit sei dort vier Mal so hoch als in der Hauptstadtregion.

Der österreichische Botschafter in Preßburg, Martin Bolldorf, lobte die hervorragende Zusammenarbeit der beiden Länder auf praktisch allen Ebenen - bis hin zu den Bürgermeistern. Im Entstehen sei eine grenzüberschreitende "Euregio". Für die Zukunft werde auch der noch wenig entwickelte Tourismus stärker "bearbeitet" werden müssen.

Bolldorf hob aber auch die Bedeutung des "versöhnten Klimas" zwischen Österreich und der Slowakei hervor. Beispiel und geradezu Symbol dafür sei der Wiener Weihbischof Ludwig Schwarz, der aus der Slowakei stammt. Die deutschsprachige Familie des Bischofs wurde 1945 vertrieben; der Bischof sei völlig frei von jeglichen Bestrebungen nach materieller Restitution, weise aber auf die Wichtigkeit des Bekennens des Unrechts hin, wie es die slowakische Regierung getan habe, sagte Bolldorf. Schwarz selbst meinte kürzlich dazu: "Wir wollen die Uhren nicht mehr zurückdrehen, sondern in Frieden leben". Es müsse aber als falsch und ungerecht bezeichnet werden, was gegen die Menschenrechte und die Menschenwürde verstoße. Das Anliegen der Versöhnung ist nach Ansicht von Weihbischof Schwarz eines der ganz zentralen Elemente des Mitteleuropäischen Katholikentags.

Für den Erzbischof von Bratislava-Trnava (Preßburg-Tyrnau), Jan Sokol, und seinen Beauftragten für Nachabarschaftskontakte, Marian Cerveny, ist die Zusammenarbeit mit den Pfarren des benachbarten Vikariats Unter dem Manhartsberg besonders wichtig. Die neu entstandene Nachbarschafts-Schiene solle jedenfalls für die Vorbereitung der "Wallfahrt der Völker" genutzt werden.

Zum EU-Beitritt sagte Sokol nicht ohne Ironie: "Reingehen ist schlimm für die Kirche, aber nicht Reingehen wäre noch schlimmer". Das Problem sei die Macht der "antikirchlichen Lobbys" im Westen. Diese wirkten sehr stark über die Medien und hätten etwa im Fall von Irland durch eine völlig übertriebene Darstellung der Missbrauchsfälle ein priesterfeindliches Klima zu Stande gebracht. "Vor 15 Jahren gab es 18 Seminare in Irland. Heute gibt es nur mehr eines", so Sokol. Vor diesem Hintergrund gebe es natürlich auch innerhalb der katholischen Kirche in der Slowakei Ängste, sagte der Erzbischof. Er selbst glaube nicht, dass solche Ängste berechtigt seien. Allerdings müsse die Kirche sowohl in der EU als auch in jedem einzelnen Mitgliedsland "mutiger und offensiver" in Erscheinung treten.

Weitere "Kathpress"-Journalistenreisen sind in die anderen Hauptstädte der Teilnehmerländer des Mitteleuropäischen Katholikentags geplant.


© Mitteleuropäischer Katholikentag 2004