Druckansicht Wednesday 15. December 2010

EU muss zur "Sozial-Union" weiterentwickelt werden

Manifest der Katholischen Arbeitnehmerbewegung betont Einsatz für arbeitsfreien Sonntag und menschengerechte Arbeitsbedingungen - Internationales Sozialsymposion mit Bischof Aichern (Kathpress, 21.5.04)

Die Europäische Union muss nach der Erweiterung zu einer "Sozial-Union" weiterentwickelt werden. Das ist die zentrale Aussage des Manifests der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), das am Freitag bei einem Symposion im niederösterreichischen Hirschwang beschlossen wurde. Rund 60 Teilnehmer aus Österreich und den ehemaligen Ostblock-Staaten berieten gemeinsam mit Österreichs Sozial-Bischof Maximilian Aichern die sozialen Herausforderung für die Zukunft Europas. Die beiden wesentlichen Aufgaben für die KAB: der Einsatz für den arbeitsfreien Sonntag und für menschengerechte Arbeitsbedingungen. In einer engen Partnerschaft mit den Organisationen der Nachbarländer wolle man sich dafür einsetzen, heißt es dazu in dem Manifest, dass den Titel "Von der Patenschaft zur Partnerschaft" trägt.

Das Engagement für die arbeitsfreien Sonn- und Feiertage sei eine "kulturelle, religiöse, soziale und politische Herausforderung", so die katholischen Arbeitnehmer. In Österreich habe die KAB eine "Allianz für den freien Sonntag" mitbegründet, der mittlerweile alle Gewerkschaften, viele Vereine und Verbände aus Sport und Freizeit, aber auch Teile der Wirtschaft angehören. Gerade im europäischen Integrationsprozess könne dieses Modell der Sonntags-Allianz wichtige Impulse für den Mittel- und Osteuropäischen Raum geben. Die Katholischen Arbeitnehmer verpflichten sich in dem Manifest zu einem "intensiven bewusstseinsbildenden und politischen Engagement für den Sonntag", wobei man sich gegenseitig über die Grenzen hinweg unterstützen möchte.

Arbeit wesentlicher Teil des Lebens

Als "wesentlicher und ganz entscheidender Teil des Lebens" wird in dem Manifest die Arbeit definiert. Weiter heißt es wörtlich: "Wenn unser Leben ein gutes Lebens sein soll, dann müssen auch die Rahmenbedingungen, unter denen wir arbeiten, eine entsprechende Qualität haben." Das Manifest verweist auf die österreichische Kampagne "Gute Arbeit", die nun auch auf die Nachbarländer ausgeweitet werden soll. Es gelte, die Arbeitsbedingungen in den einzelnen Ländern zu beleuchten und zu einer schrittweisen Verbesserung der Bedingungen beizutragen.

Das Dokument verweist auch auf Papst Johannes Paul II. Nach den Worten des Papstes müsse Europa auch "geistiger und nicht bloß ökonomischer Bauplatz" sein. Europa solle ein Kontinent sein, der "mit den beiden Lungenflügeln von Ost und West lebensfähig wird" und der "im Sozialen und Politischen aus seinen christlichen Wurzeln lebt". Das neue geeinte Europa müsse zugleich die "Vielfalt der Kulturen und geistigen Traditionen sowie die demokratische Freiheit in Solidarität" garantieren.

An dem internationalen Symposion in Hirschwang an der Rax nahmen katholische Arbeitnehmer aus Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Österreich teil.


© Mitteleuropäischer Katholikentag 2004