Druckansicht Wednesday 15. December 2010

Katholikentag als europäischer "Weg der Versöhnung"

Kardinal Schönborn: Mitteleuropäischer Katholiken soll helfen, Wunden der Vergangenheit zu heilen - Geistiger Beitrag zur Wiedervereinigung Europas. (Kathpress, 27.2.03)

"Ein Weg der Versöhnung" soll nach den Worten des Wiener Erzbischofs, Kardinal Christoph Schönborn, der Mitteleuropäische Katholikentag werden. Zwischen den beteiligten Ländern gebe es Wunden aus der Vergangenheit, die einer "Heilung des Gedächtnisses" bedürften, so der Kardinal in einem Interview mit der polnischen katholischen Nachrichtenagentur KAI.

Wie Schönborn in dem Interview sagte, sei Europa "nicht nur an den Handelsstraßen" entstanden, sondern auch auf seinen Wallfahrtswegen.
Die großen "Lebensadern Europas" seien die Straßen zu den Heiligtümern Santiago de Compostela, Tschenstochau, Pannonhalma und Velehrad, Mariazell und Marija Bistrica.

Der Katholikentag sei auch ein Symbol der Sorge der Kirchen um die künftige Gestalt des europäischen "Hauses" - und des Willens, an diesem Haus als Kirchen "mitzubauen". Nicht zuletzt sei der länderübergreifende Katholikentag als ein geistiger Beitrag zur Wiederveinigung Europas zu verstehen. Er solle zeigen, dass die katholische Kirche eine "völkerverbindende Kraft" hat, so Kardinal Schönborn. Es gebe keine wirkliche Alternative der europäischen Integration außerhalb der bestehenden EU-Strukturen, auch wenn diese nicht "ideal" seien.

Bekenntnis zur "Volkskirche"

Schönborn äußerte sich in dem Interview überzeugt davon, dass das Christentum auch in Hinkunft nicht eine "Sache von kleinen Eliten" sein wird. Christus habe immer "das Volk" gesagt und an "das Volk" seine Lehre gerichtet. Natürlich habe er einen Kreis von Jüngern gehabt, die ihm unmittelbar nachfolgten. "Aber er hat zu den Menschen gesprochen, zu jedem Menschen", so Schönborn. Das Evangelium sei für alle Menschen da, weshalb der Begriff "Volkskirche" völlig richtig sei. Ein Christentum als "Sache von Eliten" wäre gegen seine Natur.

Zu den wichtigsten innerkirchlichen Aufgaben zählt nach den Worten Schönborns die noch nicht abgeschlossene Verwirklichung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Erstrangig sei dabei, die Liturgiereform zu Ende zu bringen. Veränderungen, die manchmal "vorschnell" vorgenommen worden seien, benötigten eine "Vertiefung". Eine wichtige Aufgabe sei auch die Umsetzung der Enzyklika "Centesimus Annus" mit der Frage nach den christlichen Inspirationen in der Wirtschaft. Man stehe heute nicht mehr vor der Alternative Kapitalismus oder Kommunismus. Es gebe eine globalisierte Wirtschaft mit ihren positiven und negativen Seiten. Das Ziel müsse sein, diese globale Wirtschaft auf stabile Werte zu stützen.


© Mitteleuropäischer Katholikentag 2004