Druckansicht Mittwoch 15. Dezember 2010

Katholikentag ist deutliches Zeichen der Versöhnung

Kardinal Schönborn betont zum Abschluss der Bischofskonferenz die völkerverbindende Funktion des Mitteleuropäischen Katholikentags - Zur "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell werden mindestens 60.000
Pilger erwartet (Kathpress, 12.3.04)

Der Mitteleuropäische Katholikentag ist ein deutliches Zeichen, dass im neuen Europa das Miteinander stärker ist als alle Konflikte aus Vergangenheit und Gegenwart. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn am Freitag in Wien bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Frühjahrssession der Österreichischen Bischofskonferenz. Wörtlich sagte Kardinal Schönborn: "Ein Miteinander in Europa ist möglich".

Selbstverständlich müsse man auch auf die "Schmerzpunkte" beim Aufbau des neuen Europa schauen, erinnerte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. In diesem Zusammenhang verwies
Kardinal Schönborn darauf, dass das letzte internationale Symposion des Katholikentags im Mai in Warschau den Problemen des ländlichen Raums gewidmet ist. An diesem Symposion wird auch EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler teilnehmen.

Wie Kardinal Schönborn bei der Pressekonferenz berichtete, stand die Frühjahrsvollversammlung der österreichischen Bischöfe im südsteirischen Seggauberg fast ausschließlich im Zeichen des Mitteleuropäischen Katholikentags. Sowohl in den österreichischen Diözesen als auch in den anderen Partnerländern würden die Vorbereitungen zur "Wallfahrt der Völker" am 22. Mai in Mariazell bereits auf Hochtouren laufen. Allein aus der Erzdiözese Wien seien bereits 100 Busse angemeldet, aus Kärnten 40, aus Tirol seien mindestens 1.000 Pilger avisiert, in den beiden Diözesen Graz-Seckau und St. Pölten, die ein besonderes Naheverhältnis zu Mariazell haben, gebe es viele Anmeldungen. Auch aus der Slowakei, Ungarn, Kroatien oder Slowenien sind bereits tausende Pilger angekündigt. Insgesamt rechne man mit mindestens 60.000 Gläubigen mit 200 Bischöfen an der Spitze. Die Gesamtkosten des Katholikentags bezifferte Kardinal Schönborn mit 4,8 Millionen Euro; ein großer Anteil der Kosten beziehe sich auf Infrastrukturmassnahmen im Raum Mariazell. Den Subventionsgebern und Sponsoren sei für ihr Verständnis besonders zu danken.

Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz kündigte an, dass eine offizielle Einladung zur "Wallfahrt der Völker" an den Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich ergehen wird. In diesem Zusammenhang verwies Kardinal Schönborn darauf, dass das Festgelände auf dem Gemeindegebiet von Mitterbach liegt, einer stark evangelisch geprägten Gemeinde. Mitterbach ist eine der klassischen "Toleranzgemeinden" des 18. Jahrhunderts.

Sehr erfreut zeigte sich der Kardinal auch darüber, dass sich zahlreiche Pfarren bereit erklärt haben, Pilger aus den Nachbarländern aufzunehmen und zu verpflegen. Allein in der Erzdiözese Wien hätten sich mehr als 100 Pfarren dafür gemeldet.

Kardinal Schönborn wies auch erneut darauf hin, dass Mariazell als Ziel der "Wallfahrt der Völker" auf den ausdrücklichen Wunsch der teilnehmenden Länder gewählt wurde. Der Wallfahrtsort sei in den Kirchen dieser Länder tief verwurzelt. Es sei bedeutsam, dass alle Schritte für den Mitteleuropäischen Katholikentag "gemeinsam" unternommen würden.

Zur Frage, ob Papst Johannes Paul II. nach Mariazell kommen werde, unterstrich Schönborn, dass es dem Papst mit Sicherheit ein "Herzensanliegen" sei. Johannes Paul II. habe ihm persönlich gesagt, dass er kommen werde, "wenn es Gott will". Letztlich werde es vom Gesundheitszustand des Papstes abhängen, so Schönborn. Eine Entscheidung über das Kommen von Johannes Paul II. sei vom Vatikan bis Ende März zugesagt worden.

"Europäisches Wunder"

Von einem "europäischen Wunder" sprach P. Karl Schauer OSB, Superior von Mariazell. Gerade in Mariazell erlebe er es immer wieder, dass Kroaten und Slowenen oder Slowaken und Tschechen miteinander Messe feiern und einander wie selbstverständlich verstehen. Schauer: "Wenn das auch bei dieser Wallfahrt passiert, dann ist schon etwas sehr Großes geschehen". So könnten die Ängste, die man in Europa immer noch voreinander habe, überwunden werden.

Dreitägiges Wallfahrtsprogramm

Im Rahmen der Pressekonferenz gab Paul Wuthe von der Österreichischen Bischofskonferenz das Programm für die "Wallfahrt der Völker" vom 21. bis 23. Mai nach Mariazell bekannt. Das Großereignis beginnt am Freitagabend, 21. Mai, mit einer Eröffnungsfeier der Jugend in der Mariazeller Basilika, an die sich eine Gebetsnacht der Jugend anschließt. Am Samstagmorgen, 22. Mai, wird die Gnadenstatue von Mariazell in einer Prozession zum Festgelände gebracht. Dort wird um 11 Uhr die Eucharistiefeier beginnen. An den Festgottesdienst, der bis zirka 13 Uhr dauern wird, schließt eine Prozession mit der Gnadenstatue durch das Pilgervolk auf dem Festgelände an. Für Samstagabend ist ein Jugendfest geplant. Den Abschluss der Großwallfahrt bildet ein Jugendgottesdienst am Sonntagvormittag auf dem Festgelände.

Die Organisatoren erwarten mindestens 60.000 Pilger aus den acht Teilnehmerländern des Mitteleuropäischen Katholikentages: Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Österreich. Für die Jugendveranstaltungen rechnet man mit 6.000 Teilnehmern. Zudem haben zahlreiche höchstrangige kirchliche Würdenträger und politische Spitzenvertreter aus Mitteleuropa bzw. der Europäischen Union ihr Kommen zugesagt, allen voran EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und die Staatspräsidenten der acht Teilnehmerländer.

Umfangreiches Verkehrskonzept

Für die Anreise der vielen Pilger nach Mariazell wurde ein umfangreiches Verkehrskonzept entwickelt. Es ermöglicht rund 1.000 Autobussen und 12.500 PKWs die Anfahrt nach Mariazell. Bei der An- und Abreise seien aber teilweise längere Fußwege einzurechnen, so Wuthe. Für besondere Fälle sei aber auch ein Shuttle-Dienst eingerichtet.

Damit alle Pilger rechtzeitig bis 11 Uhr am Festgelände eintreffen, muss eine gestaffelte Anreise in Form eines "dichten Verkehrsstroms" bereits ab 5 Uhr früh erfolgen. Die Abreise sei jederzeit nach dem Festgottesdienst möglich. Bezüglich des Grenzübertritts nach Österreich hätten die zuständigen staatlichen Stellen eine zügige Kontrolle der gekennzeichneten Pilgerbusse zugesagt.

Pilgerpaket und Pilgerscheck

Alle Pilger erhalten beim Eintritt ins Festgelände ein Pilgerpaket. Es enthält ein Feierheft in sieben Sprachen, einen Radioempfänger für die Simultanübersetzungen, einen Kartonhocker, einen Pilgerschal, einen Regenschutz, einen Rosenkranz sowie Essen und Trinken. Für die Simultanübersetzungen wurde eine originelle neue Methode gefunden: Während der Wallfahrt sendet das Pilgerradio "Radio Mariazell" auf sieben verschiedenen UKW-Frequenzen in ebenso vielen Sprachen.

Von österreichischen Pilgern wird bei der Anmeldung ein Betrag von zehn Euro für dieses Pilgerpaket eingehoben. Um die Finanzierung der Pilgerpakete für die Teilnehmer aus anderen Ländern zu unterstützen, sind die Österreicher aufgerufen, einen "Pilgerscheck" - eine Ansichtskarte von Mariazell mit einem entsprechenden Anhang - im Wert von ebenfalls zehn Euro zu erwerben.

Sechs Sonderbriefmarken

Auf Anregung der Österreichischen Bischofskonferenz legt die Österreichische Post anlässlich des Mitteleuropäischen Katholikentags Sonderbriefmarken auf. Der Block enthält sechs Marken: vier mit Motiven aus Mariazell sowie je eine mit dem Bildnis von Papst Johannes Paul II. und dem Logo des Katholikentags. Die Präsentation der Sonderbriefmarken wird am 28. April in Wien erfolgen. Sie ist verbunden mit der Einrichtung eines Sonderpostamts (Ersttagsstempel) sowie einer dreitägigen Ausstellung von Briefmarken mit religiösen Motiven.

Im Rahmen der "Wallfahrt der Völker" findet in Mariazell von 21. bis 23. Mai auch ein Mitteleuropäisches Jugendtreffen statt. Rund 6.000 Jugendliche aus Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Österreich werden daran teilnehmen. Die Nachtfeier der Jugend vom 21. auf den 22. Mai in der Mariazeller Basilika wird unter dem Leitgedanken "Maria ist in unserer Mitte" stehen. Sie beginnt mit einer Lichtfeier bei der Gnadenkapelle, wo das Allerheiligste zur Anbetung die ganze Nacht über ausgesetzt bleibt. Die Gestaltung der Anbetungsstunden bis in den Morgen wird stündlich wechselnd von Jugendlichen aus verschiedenen Ländern vorgenommen werden. Zum Abschluss wird am Samstagmorgen um 6.30 Uhr ein Morgenlob ("Laudes") in der Basilika gefeiert.

Nach der Prozession mit der Gnadenstatue auf das Festgelände erfolgt bis 11 Uhr ein Vorprogramm zur Eucharistiefeier, bei der sich die acht Teilnehmerländer in ihrer jeweiligen Sprache vorstellen. Die Eucharistiefeier steht unter dem Wort Mariens "Was Er euch sagt, das tut". Zum Abschluss des Gottesdienstes wird eine Abschlussbotschaft zum Mitteleuropäischen Katholikentag ("Botschaft von Mariazell") proklamiert. An den Gottesdienst schließt sich ein "Fest der Begegnung" an. Am Abend folgt ein Jugendfest auf dem Festgelände. Den Abschluss des Jugendfestes bildet am Sonntag Vormittag ein
Jugendgottesdienst mit den Bischöfen auf dem Festgelände.

Videowand und Kräne

Die von Architekt Eduard Neversal konzipierte Bühne für den Gottesdienst und das Rahmenprogramm wird von zwei Kränen und einer großen Videowand dominiert. Die Videowand (im Ausmass von 19 mal sechs Metern), die das Motiv des "Flügelaltars" ins Heute übersetzt, soll es allen Pilgern ermöglichen, das Geschehen gut mitzuverfolgen, so Harald Gnilsen, Leiter des Bauamtes der Erzdiözese Wien. Die beiden Kräne im Hintergrund symbolisieren den "Bauplatz Europa". Der Vorschlag EDuard Neversals sei aus einem von der Bischofskonferenz ausgeschriebenen Architekturwettbewerb als klares Siegerprojekt
hervorgegangen, so Gnilsen.

Glocken für Bosnien

Acht neue Glocken, die die Teilnehmerländer des Mitteleuropäischen Katholikentags symbolisieren, werden zur "Wallfahrt der Völker" am 22. Mai in Mariazell erstmals erklingen. Die Glocken sind ein Geschenk der katholischen Kirche Österreichs an die katholische Kirche in Bosnien-Hercegovina. Im Anschluss an die Feiern in Mariazell werden sie in der wieder errichteten Kirche zur Heiligen Familie in Kupres in der Erzdiözese Sarajevo ihren Platz finden.

Gespendet werden die Glocken von den Diözesen Linz, Gurk, Graz-Seckau, St. Pölten sowie der Erzdiözese Salzburg und der Militärdiözese. Auch die burgenländischen Kroaten, die Frauenorden Österreichs, die Männerorden Österreichs und die Kroatische Gemeinde in Wien tragen zu den Kosten bei. Hergestellt werden die Glocken von der Innsbrucker Glockengießerei "Grassmayr". Am 26. März wird unter Teilnahme zahlreicher Prominenz aus Kirche und Politik der Glockenguss erfolgen. Allen Glocken gemeinsam sein wird auf der Vorderseite das Katholikentags-Logo, das Motto "Christus - Spes Europae" ("Christus - Hoffnung Europas") sowie auf der rechten Seite jeweils Wappen und Name eines der acht Teilnehmerländer. Weiters zu sehen ist u.a. die Inschrift "Peregrinatio Populorum - Mariazell, die XXII. mensis Maii MMIV" (Wallfahrt der Völker - Mariazell, 22. Mai 2004) sowie das Bibelwort "Quodcumque dixerit vobis, facite!" ("Was Er euch sagt, das tut!").


© Mitteleuropäischer Katholikentag 2004