| Schönborn: Mitteleuropäischer Katholikentag soll Gräben überwinden
Ökumenischer Empfang im Zeichen des wiedervereinten Europa und des Irak-Konflikts - Metropolit Staikos: Gemeinsames Zeugnis der christlichen Kirchen in Europa absolut notwendig - Irakischer Erzbischof Kassab: Sanktionen verurteilen Menschen zu schleichendem Tod. (Kathpress)
Im Zeichen der gemeinsamen christlichen Verantwortung für ein wiedervereintes Europa und der Sorge um den Frieden im Nahen Osten stand der diesjährige Ökumenische Empfang des Wiener Erzbischofs, Kardinal Christoph Schönborn. Unter den Ehrengästen war auch eine Delegation des Ökumenischen Rates der Tschechischen Republik sowie der chaldäisch-katholische Erzbischof Gabriel Kassab aus dem irakischen Basra.
Kardinal Schönborn verwies auf das große Projekt des Mitteleuropäischen Katholikentages, das nur als gemeinschaftliches Unterfangen aller acht beteiligten Länder Sinn mache. Die Kirche in Österreich verfolge dabei keine Hegemonialansprüche. Drei Ziele strich der Kardinal hervor: Die Überwindung von alten Gräben zwischen einzelnen Ländern wie etwa Österreich und Tschechien oder Ungarn und der Slowakei. Weiters gelte es, das "Netzwerk an christlichen Quellorten und Pilgerstraßen" wieder bewusst zu machen, das wesentlich zur Gestaltwerdung Europas beigetragen habe. Schließlich wolle die Kirche mit dem Mitteleuropäischen Katholikentag auch deutlich machen, dass die Christen am Bauplatz Europa gemeinsam mitarbeiten wollen.
Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Österreich, Michael Staikos, betonte die absolute Notwendigkeit des gemeinsamen Zeugnisses der christlichen Kirchen in einem neuen Europa und sprach sich für eine weitere Intensivierung der ökumenischen Zusammenarbeit aus. Staikos verwies auf die "Charta Oecumenica", die gemeinsamen Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa aus dem Jahr 2001. Man nehme diese Richtlinien sehr ernst. Deshalb habe man beispielsweise auch den Prozess des Ökumenischen Sozialwortes initiiert. Weiters wollten die christlichen Kirchen in Österreich auch einen Beitrag zur Versöhnung mit Tschechien leisten.
Die heute drängen Probleme würden keine geographischen oder staatlichen Grenzen kennen, so der Metropolit, der auch unterstrich, dass die östlichen Grenzen Österreichs keinesfalls die östlichen Grenzen Europas seien. Es zeige sich deutlich, dass die Vielfalt der Traditionen und Kulturen einen Reichtum darstelle und dass diese Vielfalt dem harmonischen Miteinander der Menschen und der Völker förderlich sei. Österreich habe im Zentrum Europas eine wichtige Brückenfunktion für die Nachbarstaaten. Deshalb müsse noch stärker bewusst werden, dass die Erweiterung der Union gerade auch für Österreich sinnvoll und nützlich sei, so Staikos.
Situation im Irak unbeschreibbar
Der irakische Erzbischof Gabriel Kassab appellierte erneut an die Kirchen, sich gemeinsam gegen einen Militärschlag gegen den Irak einzusetzen. Die Situation der Menschen in Basra sei mit Worten nicht mehr zu beschreiben. Die Bevölkerung würde nach zwei Kriegen und dem nach wie vor bestehenden UN-Embargo einen täglichen Kampf ums Überleben führen. Nicht nur die Infrastruktur sei vollständig zerstört, sondern auch "die Seelen der Menschen". Kassab: "Durch die Sanktionen sind die Menschen zu einem langsamen, schleichenden Tod verurteilt".
Kardinal Schönborn sagte, der Gebetsaufruf Erzbischof Kassabs solle dringend aufgegriffen werden. Gerade in extremen Notsituationen zeige sich die Kraft des Evangeliums. Der Wiener Erzbischof verwies auf die Initiative der Ärztin Eva-Maria Hobiger, die für die leukämiekranken Kinder in Basra kämpfe. In der Stadt herrsche eine Situation, die von der Menschenwürde her absolut nicht zu rechtfertigen ist. |