Druckansicht Wednesday 15. December 2010

Gesamtbosnischer Katholikentag im Zeichen der Versöhnung

Kardinal Puljic: "Wir vergeben und bitten um Vergebung" - Kärntner Diözesanwallfahrt mit Bischof Schwarz an der Spitze bei der Katholikentags-Messe im bosnischen Kupres (Kathpress, 20.7.03)

Im Zeichen der Versöhnung - "Wir vergeben und bitten um Vergebung", sagte Kardinal-Erzbischof Vinko Puljic - stand am Samstag der gesamtbosnische Katholikentag in Kupres. Bei der Festmesse mit Repräsentanten aller Teilnehmerländer des Mitteleuropäischen Katholikentages auf dem Platz vor der im Bau befindlichen neuen Kirche zur Heiligen Familie in Kupres war auch der Gurker Bischof Alois Schwarz unter den Konzelebranten. Schwarz hatte die Diözesanwallfahrt der Kärntner Katholiken nach Bosnien geführt.
Der Vorsitzende der Bosnischen Bischofskonferenz, Diözesanbischof Bischof Franjo Komarica, rief in seinen Begrüßungsworten die Katholiken in Bosnien dazu auf, dem Beispiel Jesu zu folgen und sich für die Rechte der Kleinen und Unterdrückten einzusetzen: "Als gläubige Menschen möchten wir ganz bewusst für die Rechte aller Menschen eintreten, nicht nur für jene der Katholiken".

Sarajevos Erzbischof, Kardinal Vinko Puljic, betonte in seiner Ansprache die Symbolik des Kreuzes Christi als Zeichen der Hoffnung: "Unsere Hoffnung ist das Kreuz Christi. Es ist das Zeichen der Hoffnung und der Erneuerung Europas". Zugleich sei das Kreuz auch ein Zeichen der Herausforderung und der Verzeihung für die Menschen in Bosnien geworden. "Wir brauchen Kraft, dass wir unsere Wunden heilen und Verletzungen überwinden können", sagte Puljic. Gleichzeit bat der Kardinal aber auch um Vergebung für die Vergehen von Katholiken. Wörtlich betonte Puljic: "Wir müssen erkennen, dass wir unser Gedächtnis von jedem Gift befreien müssen, damit wir zu einem Weinstock Gottes werden können. Wir müssen auch um Verzeihung bitten, damit sich der Friede Gottes ausbreiten kann. Auch wir sind bereit zu vergeben. Die Kraft zur Vergebung schöpfen wir aus dem Kreuz Christi".

Man habe in der Vergangenheit mehrmals versucht, die Kirchen der bosnischen Katholiken zu zerstören. Mit dem Wiederaufbau der Kirche in Kupres setze sein Volk aber ein deutliches Zeichen des unzerstörbaren Glaubens, betonte der Erzbischof von Sarajevo. Wörtlich sagte der Kardinal: "Die Politiker haben für unser Land verschiedene Landkarten gezeichnet und es entsteht der Eindruck, dass wir Katholiken auf diesen Landkarten keinen Platz haben. Diese Kirche ist aber ein Zeichen dafür, dass hier unser Platz ist. Wir wollen hier bleiben und mit den anderen in Frieden leben, dabei aber nie unseren Glauben verlieren".

"Haus des Gebets für alle Völker"

Die Katholiken in Bosnien dürften sich nie ihrer Wurzeln schämen, und ihren Glauben nie verleugnen, unterstrich der Erzbischof von Sarajevo. Gleichzeitig dürfe sich die Umsetzung des Glaubens ins Leben nicht gegen die Andersgläubigen richten, betonte der Kardinal: "Wir wollen das Kreuz nicht gegen andere erheben. Es ist ein Zeichen für unseren Glauben, aber nicht gegen andere. So soll dieses Land in
Haus des Gebetes für alle Völker werden".

Der Apostolische Nuntius in Sarajevo, Erzbischof Santos Abril y Castello, überbrachte die besten Segenswünsche des Papstes: "Der Heilige Vater hat Vertrauen in das bosnische Volk, einen Weg des Friedens zu gehen. Die Menschen Bosniens sind verantwortlich für die Zukunft und können ein Beispiel geben für ein Leben als friedliches Miteinander mehrerer Völker".

Als Zeichen der Wertschätzung und der Ermutigung für die Katholiken in Bosnien nahmen kirchliche Repräsentanten aus allen Teilnehmerländern des Mitteleuropäischen Katholikentages am Gottesdienst in Kupres teil. Die Botschaft von Kupres versuchte Pavo Jurisic vom Vorbereitungskomitee des bosnischen Katholikentages im Gespräch mit "Kathpress" auf den Punkt zu bringen: "Die Bedeutung des Mitteleuropäischen Katholikentages liegt für uns auch darin, dass Europa uns nicht wegschiebt, dass Europa mit unseren Wurzeln rechnet, und erkennt, dass wir ein Teil des Kontinentes sind, der sich Europa nennt".

Europa darf kein "technokratisches Monstrum" werden

Bischof Komarica feierte mit Kärntner Besuchern des bosnischen Katholikentages Festgottesdienst in Banja Luka - Christentum soll Europa Werte sichern - Gegen Verbannung Gottes aus öffentlichem Leben

Der Integrationsprozess in Europa muss neben den angestrebten wirtschaftlichen, technischen, militärischen und politischen Konsequenzen notwendiger Weise auch zu einer spirituellen und moralischen Erneuerung der Kultur führen. Das forderte der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica, am Sonntag in einem Gottesdienst für die Gruppe der österreichischen Teilnehmer des bosnischen Katholikentages unter der Führung von Bischof Alois Schwarz. Man dürfe laut Komarica die Gefahr nicht negieren, dass Europa zu einem "bloßen technokratischen Monstrum" werden könnte: "Wir wollen weder ein bloß technokratisches noch ein totalitäres Europa, weil wir sonst unsere Seele verraten würden." Die Kirche müsse die Verantwortlichen Europas auf diese Gefahr hinweisen.

In seiner Predigt in der neu erbauten Kathedrale von Banja Luka betonte Komarica die Identität stiftende Rolle des Christentums im neuen Europa. "Wie das Christentum im ersten Millennium die Kultur der Kelten, Germanen und Slawen in das griechisch-römische Erbe zu integrieren wusste, kann es auch heute dazu beitragen, dass die verschiedenen Völker aus ihrer kulturellen und nationalen Verschiedenheit heraus eine neue gemeinsame Zivilisation schaffen", zeigte sich Komarica zuversichtlich. Wenn die christlichen Werte in der konkreten Lebenspraxis gelebt und vertieft würden, könne ein solcher Prozess der Erneuerung und des Aufbaues einer Gemeinsamkeit in Europa gelingen.

Als wichtigste Werte bezeichnete der bosnische Bischof die Achtung der Menschenwürde, die nantastbarkeit und den Schutz des menschlichen Lebens, Solidarität mit den Benachteiligten, den Dialog mit der Welt und eine Offenheit gegenüber anderen. Weder Politik noch Rechtsordnung kämen ohne diese Werte aus. "Weil es aber heute weder möglich noch sinnvoll ist, die Werte von staatlichen Instanzen anzuordnen, können und müssen die Kirchen ihre Botschaft umso lauter und mutiger von unten her verkünden", so der Bischof.

Die Verbannung Gottes aus dem öffentlichen Leben und die Anwendung des Rechtes des Stärkeren dürften in keinem Fall zugelassen werden, forderte Komarica. "Aus der bitteren Erfahrung der furchtbaren Tragödie in Bosnien" wisse er, dass dort, wo Gott und die religiöse Dimension des Menschen verachtet werden und man das im Menschen verankerte moralische Gesetz tötet, eine "Lawine der Brutalität, der Gewalt, der Unordnung" losgetreten wird.

Diözese Gurk hilft bei Errichtung eines Internats

Als Zeichen der Verbundenheit beider Diözese überreichten die Gäste aus Kärnten 9.500 Euro an die in Banja Luka ansässigen "Schwestern vom Kostbaren Blut Christi". Der Schwesternorden hat vor kurzem die Baubewilligung für die Errichtung eines Mädcheninternates erhalten. Die finanzielle Starthilfe aus der Diözese Gurk soll helfen, den Mädchen aus abgelegenen Orten den Schulbesuch zu ermöglichen.


© Mitteleuropäischer Katholikentag 2004