| "1983 sprach der Papst erstmals so klar über Europa"
Kardinal König blickt in "Furche"-Interview auf Katholikentag und Papstbesuch vor 20 Jahren zurück (Kathpress, 2.9.03)
Der Europa-Gedanke im Sinn des größeren Europa sei 1983 beim Katholikentag und Papstbesuch in Wien "zum ersten Mal richtig aufgetaucht". Dies betonte Kardinal Franz König in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Furche", dem ersten Interview, das er seit seinem Unfall in Mariazell und der nachfolgenden Operation gewährt hat. Wörtlich sagte der Wiener Alterzbischof: "Der Papst hat in Wien zum ersten Mal mit einer solchen Öffentlichkeitswirkung über Europa gesprochen, nicht, dass es um Ost und West geht, sondern um Europa".
Niemand habe 1983 "konkret gedacht, dass der Stacheldraht in ein paar Jahren weg sein würde", unterstrich Kardinal König. Im Rückblick könne man aber die Spuren des "in aller Stille vor sich gehenden Prozesses des Niederganges des kommunistischen Systems, der dann 1989 so sichtbar geworden ist", auch beim Katholikentag 1983 feststellen.
Als "bedeutsam sowohl für die Kirche als auch für Europa" bezeichnete es Kardinal König, dass jetzt - 20 Jahre nach 1983 - mit dem neuen Katholikentag "Mitteleuropa" erstmals in einer neuen Gemeinsamkeit auftritt. Das zeige, dass es "nun um eine neue, größere Perspektive" geht.
Im Rückblick auf 1983 sagte König, er sei damals unsicher gewesen, wie die Verbindung von Katholikentag und Papstbesuch 20 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil aufgenommen werden würde. Im Hintergrund sei damals auch aufgetaucht, dass die katholische Kirche nicht "das Christentum" ist; das sehe er heute viel deutlicher, so der Wiener Alterzbischof. 1983 begann spürbar zu werden, "wie in der Gesellschaft der ökumenische und der interreligiöse Dialog immer notwendiger wird". Wörtlich meinte Kardinal König in diesem Zusammenhang: "Damals hat man zu erkennen begonnen, dass die katholischen Christen nicht nur sich selbst sehen dürfen". |