| Bischof Iby: Christliche Werte brauchen in Europa "breite Lobby"
Eisenstädter Bischof plädiert beim "Forum Ostarrichi" des Katholischen Laienrates für christliche Solidarität im erweiterten Europa - Kritik an mangelnden politischen Beteiligungsmöglichkeiten
für Jugend in Europa (Kathpress, 25.8.03)
Der Eisenstädter Bischof Paul Iby hat sich dafür ausgesprochen, in Zukunft die christlichen Werte verstärkt in das vereinigte Europa einzubringen. Der Schutz des menschlichen Lebens vom Anfang bis zum natürlichen Ende, die Achtung der Menschenwürde und der Religionsfreiheit und auch die Erhaltung des arbeitsfreien Sonntags nannte Iby im Rahmen des diesjährigen "Forums Ostarrichi" des Katholischen Laienrates als Beispiele für Werte, für die es einzutreten gelte: "Sie bedürfen einer gediegenen und entschlossenen Zusammenarbeit, um nicht zu sagen einer breiten Lobby, um Anerkennung auch in den Gesetzen zu erhalten", sagte der in der Bischofskonferenz für den Laienrat zuständige Bischof am Wochenende in Neuhofen an der Ybbs.
Iby rief dazu auf, "mit den Menschen im erweiterten Europa christliche Solidarität zu pflegen". Der die Grenzen zu den östlichen Nachbarländern sprengende Mitteleuropäische Katholikentag, die geplante "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell, könne nur ein Anfang dieses "Miteinanders" sein. Weitere gemeinsame Schritte, um "miteinander das Leben christlich zu gestalten", sollen folgen.
Als besonders wichtig bezeichnete der Bischof die Festigkeit im Glauben. Heute stehe derjenige oft "wie ein Exot da, der glaubt, der seinen Glauben praktiziert und davon Zeugnis gibt". Heutige Christen müssten sich auch Vorwürfe gefallen lassen, dass ihr Glaube zu wenig Ausstrahlung habe und mancherorts zu einem "Glauben light" verwässert werde. Für den eigenen Glauben Flagge zu zeigen, sei somit eine vorrangige Aufgabe für Priester und Laien auf dem Weg zu einem neuen Europa.
Was kann die Jugend einbringen?
Auf die hohen Beziehungswerte junger Menschen und ihre sich daraus gespeiste Bereitschaft zu Solidarität und tätiger Hilfe wies Bundesjugendseelsorger Christian Wiesinger in seinem Referat am Schlusstag des "Forums Ostarrichi" hin. Er gab auf der Basis internationaler Wertestudien einen Überblick über von Jugendlichen vertretene Werte wie Freundschaft, Familie und Partnerschaft, Treue, Toleranz, Glück. Laut Wiesinger sehen sich Jugendliche oft sehr widersprüchlichen Erwartungen seitens der Gesellschaft gegenüber. Einerseits heiße es oft "Die Jugend ist unsere Hoffnung", ihr werde die Gestaltung einer besseren Zukunft zugetraut, andererseits würden Initiativen mit Sätzen wie "Die Jugendlichen sollen doch erst einmal lernen" abgetan.
Als größte Hemmschuhe für junge Menschen, ihre Werte im größeren Europa einzubringen, nannte Wiesinger zuallererst die Tatsache, dass es immer weniger Jugendliche gibt; die Bevölkerungsverteilung verändere sich zu Gunsten Älterer und erschwere den Einfluss der Jungen. Probleme seien auch der herrschende Mangel an Partizipationsmöglichkeiten in der Politik; Wiesinger kritisierte in diesem Zusammenhang, dass in den Österreich-Konvent niemand aus der Bundesjugendvertretung eingeladen wurde, Zudem seien die politischen Strukturen oft auch für Erwachsene undurchschaubar. Ein Plus der Jugend, das auch von der Kirche zu unterstützen sei, sieht der Jugendseelsorger in ihrem Idealismus: Jugendliche würden ihre Wertvorstellungen ernster nehmen und eher zu verwirklichen trachten als durch Lebenserfahrung "abgeklärte" Erwachsene, so Wiesinger. Dieser Idealismus habe sich u.a. bei der Aktion "72 Stunden ohne Kompromiss" gezeigt, die im Oktober 2002 in Österreich mit großem Erfolg durchgeführt wurde. Zirka 5.000 Jugendliche engagierten sich dabei drei Tage lang in mehr als 220 Projekten für jeweils eine konkrete soziale Aufgabe.
"Probezeit" für die Laien in Tschechien
Eine nüchterne Analyse der Bereiche und der Möglichkeiten für Katholiken, sich für christliche Werte in Gesellschaft und Kirche in einem Beitrittsland zu engagieren, brachte P. Michal Kaplanek aus Budweis am Beispiel der Tschechischen Republik in das "Forum Ostarrichi" ein. Im beruflichen Bereich und beim persönlichen Engagement außerhalb der politischen Strukturen würden die Chancen zur Zeit am besten genutzt, Mängel gebe es in den Bereichen Medien und Politik. Die Laien sind laut Kaplanek kirchenkritischer geworden, sie bekämen in der Kirche nicht genug Chancen zur Entfaltung, obwohl ihre theologische Kompetenz ständig zunehme. Kaplanek bezeichnete die Gegenwart als "Probezeit der Standhaftigkeit der Laientätigkeit" in der katholischen Kirche Tschechiens.
In Gesprächsgruppen wurde beim "Forum Ostarrichi" ein Überblick über politische, soziale und ethische Themen erarbeitet, die heute auf Europaebene anstehen und die Mitwirkung katholischer Laien erfordern, sagte Laienrats-Präsident Wolfgang Rank. Es seien Wege und Methoden erörtert worden, wie dieses Mitreden im Kontakt mit europäischen Institutionen umgesetzt werden kann. Diese Ergebnisse so wie die Referate beim "Forum Ostarrichi" werden demnächst auf der Website des Laienrats www.laienrat.at [http://www.laienrat.at] nachzulesen sein, kündigte Rank an. |