| Katholikentag: Der kommende Sonntag steht im Zeichen Polens
Die Solidarität mit der Kirche in Polen wird am kommenden Sonntag, 18. Jänner, bei den katholischen Gottesdiensten in den Teilnehmerländern des Mitteleuropäischen Katholikentags ein zentrales Thema sein. (Kathpress, 15.1.04)
In den Gottesdienstunterlagen wird daran erinnert, dass sich in Polen - in der Basilika auf Jasna Gora in Tschenstochau (Czestochowa) - eines der weltweit meist verehrten Bilder der Mutter Gottes befindet: "Für die Kirche in Polen ist Tschenstochau der Ort für besondere Begegnungen mit Jesus Christus. Dieser Ort wird auch das 'polnische Kana' genannt, denn hier gilt seit Jahrhunderten das Wort der Gottesmutter Maria: 'Was Er euch sagt, das tut!'". Zugleich wird das Wort Papst Johannes Pauls II. zitiert, dass sich die Gläubigen in Polen daran gewöhnt hätten, "ihr Leben und bedeutende Momente ihres Lebens mit diesem Heiligtum zu verbinden. Mit all dem kommen sie auf den 'Hellen Berg' (Jasna Gora), um es der Gottesmutter anzuvertrauen".
Die Kirche in Polen hat eine mehr als tausendjährige Geschichte. Der erstaunlich rasche Aufstieg des polnischen Reiches im 10. Jahrhundert war von einer ebenso stürmischen Taufbewegung begleitet. Der große Missionserfolg ist zu einem guten Teil darauf zurückzuführen, dass infolge der 965 vollzogenen Heirat des Piasten-Fürsten Mieszko I. (er starb 992) mit Dubravka, der Tochter des böhmischen Premysliden-Herzogs Boleslav I., viele Glaubensverkünder aus dem slawischen Nachbarland an der Moldau kamen. Schon 966 ließ sich Mieszko selbst taufen. 968 wurde der erste polnische Bischofssitz an der damaligen Fürstenresidenz Poznan (Posen) gegründet. Mieszko I. trat in der Folge in so enge Führung mit dem Papst, dass er um 990 sein Reich zum besseren Schutz gegen den gefürchteten Nachbarn im Westen, Deutschland, dem Apostel Petrus "schenkte".
Im Jahr 1000 erfolgte die Versöhnung mit den westlichen Nachbarn, indem Kaiser Otto III. bei einer Pilgerfahrt nach Gniezno (Gnesen), wo sich das Grab des Märtyrers Adalbert von Prag befindet, seine Ansprüche aufgab. Dadurch konnte eine polnische Kirchenprovinz mit der Metropolie Gnesen und den Diözesen Krakau, Breslau, Posen und Kolberg (Kolobrzeg) begründet werden. Kaiser Ottos Besuch besiegelte die politische und kirchliche Selbstständigkeit Polens gegenüber dem "Sacrum Imperium". Die Stärke Polens, so das Kalkül des Kaisers, werde seiner eigenen Herrschaft mehr nützen als schaden.
Die politischen Wirren und Katastrophen vor allem des 20. Jahrhunderts haben den Blick der westeuropäischen Völker auf die tausendjährige Geschichte der lateinisch-christlichen Völker des östlichen Mitteleuropas weitgehend verstellt. Trotzdem blieb bei Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Slowenen und Kroaten das Bewusstsein der Zugehörigkeit zum christlich-lateinischen Kulturbereich immer prägend. Durch den polnischen Papst Johannes Paul II. wurde dieses Bewusstsein entscheidend gestärkt. Heute ist Polen wieder ein freier, souveräner, demokratischer Staat, der im Mai der Europäischen Union beitritt. Das Land zählt 38 Millionen Bewohner, davon sind 95 Prozent Katholiken. In der Seelsorge sind mehr als 21.000 Diözesanpriester und rund 6.000 Ordenspriester tätig. In den Priesterseminaren Polens studieren derzeit 6.800 Studenten.
Aus Polen stammen und hier lebten viele Heilige und Selige. Es gibt eine lange Liste dieser Vorbilder der Heiligkeit. Die bedeutendsten sind Adalbert (Wojciech), Stanislaus, Hyazinth (Jacek), Kinga, Hedwig von Schlesien, die Königin Hedwig, Kasimir, Stanislaus Kostka, Johannes von Kety, Albert Chmielowski, Rafael Kalinowski, Faustina Kowalska und Maksymilian Kolbe. |