| "Das ist völliger Unsinn"
Bischof Kapellari zu Medienspekulationen darüber, dass der Papst wegen eines Musicals im Nebenprogramm der "Wallfahrt der Völker" nicht nach Mariazell kommt (Kathpress, 12.5.04)
Es sei eine "völlig unsinnige" Behauptung, dass Papst Johannes Paul II. nicht nach Mariazell kommt, weil dort im Jugendrahmenprogramm unter vielem anderen das Musical "Ave Eva" aufgeführt werden soll. Dies betonte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari am Mittwoch zu entsprechenden Medienberichten. Der Text sei von einigen Geschmacklosigkeiten befreit worden und widerspreche nun "nach dem Urteil von auch in Rom sehr geachteten Theologen in keiner Weise der kirchlichen Lehre über Maria". Wörtlich sagte Bischof Kapellari: "Veranstaltungen von europäischem Rang werden im Vatikan selbstverständlich nicht durch lokale Kleinkonflikte beeinträchtigt. Mariazell soll und wird verschiedene Jugendgruppen der Kirche zusammenführen und nicht auseinander dividieren.
"Jugend-Bischof" stellt klar
Auch der Grazer Weihbischof Franz Lackner hat die Kritik am Musical "Ave Eva", dass beim Jugendfest in Mariazell aufgeführt werden soll, zurückgewiesen. Das Musical sei ein Versuch, das Mysterium der Gottesmutter Maria den jungen Menschen von heute nahe zu bringen. Die Aufführung sei ein Programmpunkt unter mehr als 50 Workshops beim Jugendprogramm des Katholikentags in Mariazell, so Lackner. Darüber hinaus sei "Ave Eva" kein dogmatischer Traktat. Lackner: "Es ist nicht in theologischer, sondern in poetisch-lyrischer Sprache verfasst und arbeitet mit Stilmitteln der Verfremdung".
Der Verdacht, das Werk stünde im Widerspruch zur kirchlichen Lehre, konnte nach einer eingehenden theologischen Prüfung nicht bestätigt werden, so Lackner, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Jugend zuständig ist. Begriffe, die sich nach kritischer Prüfung als zweideutig erwiesen haben, wurden nach Absprache mit dem Urheber der Rechte dieses Werkes geändert, unterstrich der "Jugend-Bischof".
Die Jugendlichen, die das Singspiel zur Vorführung bringen, hätten sich intensiv mit dem Lebensgeheimnis Mariens beschäftigt und viel Zeit in die Vorbereitungsarbeiten für die Darstellung investiert. Die Vorstellung werde weder im Rahmen einer liturgischen Feier noch in einer Kirche stattfinden, sondern in einer Halle. Lackner: "Mit der Vorführung dieses Musicals geben die Jugendlichen ein Bekenntnis ihres Glaubens mit dem Bemühen, das Geheimnis der Gottesmutter Maria immer wieder neu zu entdecken".
Der "Jugend-Bischof" betonte weiters, dass er mehrere Gespräche mit Kritikern geführt habe. Die kritischen Stimmen zum Musical würden ernst genommen. Eine Reihe "klärender Schritte" sei gesetzt worden, Missverständnisse konnten ausgeräumt werden, so Lackner.
Im Gespräch mit der ökumenischen Radioagentur "Studio Omega" unterstrich der Weihbischof, dass es bei einem so großen Fest mit tauenden Teilnehmern klar sei, dass nicht immer alles friktionsfrei ablaufen könne. Er glaube aber, so Lackner, "dass es so etwas wie eine 'Koalition des Guten' gibt". Hauptziel des Katholikentags und des Jugendprogramms sei es, Christus zu zeigen und am Bauplatz Europas mitzuarbeiten. Natürlich gebe es dabei auch verschiedene Meinungen, er gehe aber davon aus, "dass die guten Kräfte den Ausschlag geben werden", so Lackner. |