| Schwerpunkt Europa
bei Sommerstudientagung der Kath. Frauen- sowie Männerbewegung
Katholische Frauen gegen "Entsolidarisierung"
Schlusserklärung zum Abschluss der Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung: Mit "Herz, Grimm und Verstand" eintreten für ein "gutes Leben für alle" (Kathpress, 11.7.03)
Die katholischen Frauen wollen "resignativen Tendenzen zur Entsolidarisierung" entgegenwirken. Zum Abschluss ihrer diesjährigen Sommerstudientagung über "weltweite Solidarität" in Eisenstadt hat die Katholische Frauenbewegung Österreich (kfbö) in einer Erklärung am Freitag Grundsätze und Haltungen für eine heute lebbare Solidarität aufgezeigt. "Mit Herz, Grimm und Verstand" - so wie dies die Schriftstellerin Hedwig Dohm bereits im 19. Jahrhundert formuliert habe - will die kfbö das Prinzip der Solidarität in die Tat umsetzen. Konkretes Tun im persönlichen sowie im gemeinschaftlichen Engagement soll weiterhin nach dem erfolgreichen Leitmotiv Kardinal Cardijns, des legendären Gründers der Katholischen Arbeiterjugend ("sehen - urteilen -handeln"), praktiziert werden, heißt es in der Schlusserklärung.
Das Engagement für Menschenwürde habe dabei Priorität. Ziel sei ein "gutes Leben für alle". Um eine Überforderung Einzelner zu vermeiden, sind - so die kfbö - Optionen und punktuelle Koalitionen notwendig.
In der Erklärung werden u.a. die Bedeutung von persönlicher Betroffenheit, die Schärfung des Bewusstseins für Unrechtssituationen, die Bereitschaft zur Information und zum Zuhören sowie das "Zulassen von Wut" als wesentliche persönliche Haltungen für solidarisches Leben und Handeln hervorgehoben. Als gelungenes Beispiel für konkrete Frauensolidarität verwies die kfbö auf ihre Aktion Familienfasttag - einen " Meilenstein in der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit". Solidarität werde ein "Genuss, wenn durch das Teilen mit benachteiligten Menschen alle Seiten Bereicherung erfahren".
Basis für diese Erklärung war ein Referat der Wiener Theologin Veronika Prüller-Jagenteufel. In einem weiteren Vortrag zeigte die Mitarbeiterin der Katholischen Sozialakademie, Paloma Fernandez de la Hoz, die Auswirkungen wachsender Globalisierung auf. Im Rahmen einer Informationsbörse konnten sich die rund 100 Teilnehmerinnen über internationale und regionale Solidaritätsaktionen ein Bild machen.
Die diözesanen Leitungsteams der Katholischen Frauenbewegung präsentierten andererseits ihre Solidaritätsprojekte.
Frauensolidarität in Europa
Im Hinblick darauf, dass sich die kfbö in den kommenden zwei Arbeitsjahren vor allem mit der Situation der Frauen in Europa auseinander setzen wird, informierte Irene Kernthaler-Moser bei der Sommerstudientagung über frauenspezfische Daten aus den Mitglieds- und Kandidatenländern der EU. Ein sehr persönliches Bild über die Situation der Frauen in der Slowakei zeichnete Anna Kolkova, Verlagsleiterin aus Preßburg (Bratislava). Sie betonte den Mangel an kirchlichen Frauenorganisationen und bekundete großes Interesse an einer möglichen Zusammenarbeit mit der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. "Welt der Frau"-Chefredakteurin Christine Haiden berichtete über ihre Eindrücke bei Begegnungen mit Frauen aus Südosteuropa und über ihre Erfahrungen bei Solidaritätsaktionen in dieser Region.
Bei einem Ausflug nach Ungarn kam es in der St.Georgs-Pfarre in Sopron zu einer Begegnung mit ungarischen Katholikinnen, die erstaunt waren über das rege Leben von Österreichs größter Frauenorganisation.
In den kommenden Monaten sollen neue Kontakte geknüpft und Möglichkeiten für konkrete Frauensolidarität über Grenzen hinweg geprüft werden.
Vielfalt ist Europas Stärke
Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung mit Vertretern von vier EU-Beitrittsländern: Identität einzelner Nationen als "Zusatzwert" für EU (Kathpress, 13.07.03)
Vielfalt ist Europas Stärke: Darüber waren sich hochrangige Vertreter aus vier EU-Beitrittsländern bei einer Podiumsdiskussion der Katholischen Männerbewegung (KMBÖ) in Bad Tatzmannsdorf einig. Die KMBÖ hatte u.a. die polnische Botschafterin Irena Lipowicz, Pal Zöldy als Vertreter der ungarischen Regierung, den slowenischen Parlamentsberater Zvonko Bergant und den Vorsitzenden der slowakischen Christdemokraten, Jan Carnogursky, zu ihrer Sommerakademie über das "Europa der Verschiedenheit" eingeladen, um über die EU-Erweiterung und damit verbundene Chancen und Ängste zu diskutieren.
Carnogursky rief dazu auf, die Gemeinsamkeit der europäischen Nationen in den Mittelpunkt und "über die konfliktreiche Vergangenheit" zu stellen. Die ständige Auseinandersetzung mit Konflikten aus der Geschichte berge die Gefahr, die Integration in ein gemeinsames Europa zu verhindern. Es gehe heute vielmehr um die Stärkung gegenseitiger Solidarität und eines "europäischen Patriotismus".
Sorge über den Verlust der eigenen Identität äußerte der Gründer des ungarischen Männerforums, Pal Zöldy: "Ich will nicht, dass wir Ungarn mit dem Beitritt zur EU einfach zu zehn Millionen neuen Konsumenten werden, sondern unsere eigene Identität behalten und unsere Persönlichkeit einbringen können". Im kirchlichen Bereich stehen für Zöldy nicht die multinationalen Großveranstaltungen im Vordergrund. Es gelte heute vor allem, das kleinmaschige Netz der Pfarren zu stärken.
Auch die Slowenen wolle die EU nicht idealisieren, meinte Zvonko Bergant. Wohl aber habe die EU auf die Herausforderungen der heutigen Zeit die besten Antworten gefunden. Besondere Bedeutung komme Slowenien durch die Brückenfunktion zwischen Europa und den Balkanländern zu. Durch die Rolle Sloweniens als "Dolmetscher" habe sein Land die Aufgabe, auch den Ländern Südosteuropas zu einem Platz in der Europäischen Union zu verhelfen, so Bergant. Für die Eingliederung Sloweniens in die europäische Staatengemeinschaft wünsche er sich kein Aufdrängen einer "Einheitsidentität", sondern eine langsam, aber konstant fortschreitende Integration unter Wahrung der eigenen Identität. Europäische und nationale Identität bedeuteten nicht zwangsläufig einen Widerspruch, sondern könnten sich vielmehr gegenseitig ergänzen.
Die polnische Botschafterin Irena Lipowicz sieht die europäische Vielfalt vor allem durch die Globalisierung der Wirtschaft bedroht: "In Zeiten, wo gleiche Mode, Möbel, Konsumgüter und die Werbung unseren Alltag dominieren, ist es nicht einfach, die Vielfalt zu bewahren". Die Vielfalt drücke sich heute hauptsächlich in der Sprache, aber auch in der Religion aus. Dennoch sei es möglich, die eigene Identität in die Europäische Nation einzubringen und so für Vielfalt zu sorgen, zeigte sich Lipowicz zuversichtlich. Die Europäische Gemeinschaft könne auf diese einzelnen Identitäten nicht verzichten, sondern müsse sie als "Zusatzwert" sehen.
Die westlichen Nationen Europas sollten die Mentalität der osteuropäischen Staaten besser kennen lernen, regte Lipowicz an: "Paradoxerweise sind vielen Westeuropäern Thailand, Tunesien oder Kenia besser bekannt als östliche Teile Europas". Der "Eiserne Vorhang" habe dabei für die Westeuropäer oft als eine bequeme Ausrede gegolten.
Männerforscher Erich Lehner wies am Podium darauf hin, dass es in Europa jenseits aller vorhandenen kulturellen Unterschiede eine besondere Gemeinsamkeit gebe: eine patriarchale Prägung. In der europaweiten Umsetzung von Standards zur Geschlechtergerechtigkeit sieht Lehner eine große Chance für die EU. Es gebe zwar bereits die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter, dies werde aber zu wenig in die Praxis umgesetzt. Im kirchlichen Bereich sei es genau umgekehrt, meint Lehner: Dort herrsche zwar rechtlich keine Geschlechtergerechtigkeit, in der Praxis gebe es aber immer wieder "Inseln geschlechtergerechter Kultur", die es zu stärken gelte. |