Arge Pastoral- und Seelsorgeämter

 
Der Heilige Martin war der erste "Mitteleuropa-Heilige"

Mitteleuropäischer Katholikentag ruft die Bedeutung der Heiligen mit "grenzüberschreitender Biografie" in Erinnerung - "Kathpress"-Hintergrundbericht von Franz Morawitz, 4.2.04

Der Mitteleuropäische Katholikentag hat die Bedeutung der "mitteleuropäischen Heiligen" in Erinnerung gerufen. Die "grenzüberschreitenden Biografien" von mindestens drei Dutzend Heiligen und Seligen berühren zumindest zwei der aktuellen Teilnehmerstaaten des Katholikentags. Den Beginn macht der Heilige Martin (316-397), der erste Nichtmärtyrer, der als Heiliger verehrt wurde. Martin wurde im heutigen Szombathely in Ungarn geboren, wurde Bischof in Tours und starb im französischen Candes. Nach seiner Entlassung aus dem Miltärdienst, den er nach seiner Taufe 334 nicht mehr mit seinem Glauben vereinbaren konnte, kehrte er eine Zeit lang nach Pannonien zurück, wo er missionieren wollte. Im Zuge seiner Missionswanderungen kam er auch ins heutige Burgenland. Die neuesten Mitteleuropa-Seligen und -Heiligen sind Ladislaus Batthyany-Strattmann, Marco d'Aviano und Ursula Ledochowska.

Marco d'Aviano wurde am 27. April 2003 selig gesprochen. Der aus Friaul stammende Kapuziner hatte entscheidenden Anteil an der Befreiung Wiens 1683. Sein Grab befindet sich in der Wiener Kapuzinerkirche. 1631 wurde er als Carlo Domenico Cristofori in der friulanischen Stadt Aviano geboren. Mit 17 Jahren trat er in den Kapuzinerorden ein und wurde im Jahr 1655 zum Priester geweiht. Viele Jahre führte er ein verborgenes Leben im Orden. Erst 1664 wurde sein charismatisches Predigertalent entdeckt. Von da an durchzog er als Prediger Italien und Mitteleuropa, rüttelte hunderttausende lau gewordene Christen auf und bewirkte zahlreiche Bekehrungen und wunderbare Heilungen. Als vertrauer Berater des römischen Kaisers Leopold I. und als päpstlicher Legat war er entscheidend beteiligt an der Befreiung Wiens von der osmanischen Belagerung 1683. Er erreichte
die Einigung der zerstrittenen Führer des Entsatzheeres und beschleunigte so die Befreiung der Residenzstadt des Kaisers. In den Jahren nach der Befreiung Wiens versuchte er mit großer Geduld und Ausdauer die Zwistigkeiten unter den Christen auszuräumen. Pater Marco d'Aviano starb am 13. August 1699 im Beisein des Kaiserpaares im Wiener Kapuzinerkloster.

Ursula (Julia Maria) Gräfin Ledochowska wurde am 17. April 1865 in Loosdorf bei St. Pölten geboren und starb am 29. Mai 1939 in Rom. Julia wurde 1886 in Krakau Nonne im Ursulinenorden und nahm den Ordensnamen Ursula an. 1906 gründete sie die "Grauen Ursulinen" mit Aufgaben in der Fürsorge für Arme, Kranke, Alte und Kinder aus sozial schwachen Familien. 1907 ging sie nach Russland, nach Ausbruch des Krieges 1914 nach Skandinavien. 1920 kehrte sie nach Polen zurück, dann ging sie nach Rom, wo 1928 die Zentrale ihres Ordens eröffnet wurde.

Ladislaus (Laszlo) Batthyany-Strattmann wurde am 28. Oktober 1870 in Dunakiliti in Ungarn geboren und starb am 22. Jänner 1931 in Wien. Ab 1879 besuchte er das Jesuitenkolleg in Kalksburg. Anschließend studierte er dann Landwirtschaft, Chemie, Philosophie, Astronomie und Medizin, im Jahr 1900 promovierte er zum Doktor der Medizin. Schon 1898 heiratete er in Wien Maria Theresia Gräfin von Coreth-Coredo; dem Paar wurden zwölf Kinder geboren. Mit Hingabe widmete sich Batthyany seinem Beruf als Arzt. 1902 stiftete er in Kittsee ein Krankenhaus und wirkte dort zunächst als praktischer Arzt, dann als Chirurg, schließlich als Augenarzt. Er wurde vor allem für die Behandlung des Grauen Stars berühmt.

Nach dem Ersten Weltkrieg übersiedelte die Familie 1920 nach Körmend, wo Batthyany bald ein neues Krankenhaus gründete. Auch hier behandelte er vor allem Augenleiden. Von den Armen verlangte er nie Geld; oft gab er ihnen noch etwas, damit sie sich das Notwendigste kaufen konnten. Trotz seiner vielen Arbeit besuchte er täglich die Heilige Messe, betete den Rosenkranz und übte sich in persönlicher Frömmigkeit. Er starb nach schwerem Leiden an Blasenkrebs.

Den stärksten Bezug zum Mitteleuropa-Gedanken hat der Heilige Adalbert von Prag, der im 10. Jahrhundert gelebt hat. Der Glaubensbote bei den Pruzzen, Bischof von Prag, Erzbischof von Gnesen und Märtyrer wurde 956 in Libesice in Ostböhmen geboren und starb am 23. April 997 als Märtyrer in der Nähe des heute russischen Primorsk im nördlichen Ostpreußen.

Adalbert, mit bürgerlichem Namen Vojtech, war Sohn eines böhmischen Fürsten aus dem Hause der Slavnikiden, seine Mutter war mit dem deutschen König Heinrich I. verwandt. Vojtech war ein aufgewecktes Kind, doch eine schwere Krankheit bewog seine Eltern, ihren Sohn der Gottesmutter Maria zu weihen und ihn für den geistlichen Beruf zu bestimmen.

Vojtech ging in Magdeburg zur Schule, wurde 981 in Prag zum Priester geweiht und bereits zwei Jahre später dort Bischof. Die in Böhmen herrschende Dynastie der Premysliden wollte mit der Ernennung des Sohnes aus dem konkurrierenden Fürstenhaus der Slavnikiden Ruhe schaffen. Adalberts Amtszeit endete aber in einem Fiasko: Er konnte sich in den politischen Zwistigkeiten und gegen die Widersacher
seiner Reformen für den Klerus nicht durchsetzen, legte deshalb 989 sein Amt nieder, musste nach Rom fliehen und wurde Benediktinermönch auf dem Aventin.

Die Böhmen wollten Adalbert dann doch zurückhaben, sie wurden dabei unterstützt vom Mainzer Bischof und dem Papst. Zusammen mit zwölf Mönchen kehrte er 992 nach Prag heim, gründete das Kloster Brevnov, das bald zu einem religiös-kulturellen Zentrum wurde - und bis zur Unterdrückung durch den Kommunismus nach 1945 blieb - und amtierte wieder als Bischof von Prag. Von dort aus unternahm er Missionsfahrten nach Ungarn, wo er wohl König Geza und König Stephan I. taufte, und nach Polen, wo er Erzbischof von Gnesen (Gniezno) wurde.

Erneut führte Adalberts Sittenstrenge zu Widerständen bei Klerus und Volk; 994 musste er wieder nach Rom in ein Kloster fliehen. Nachdem 996 seine Familie ermordet worden war, zwang ihn der Gehorsam gegenüber Papst und Kaiser aber wieder zur Rückkehr. Seine Gegner hatten in Prag inzwischen die weltliche Macht übernommen, so dass er zunächst nach Mainz ging, wo er im Umfeld von Kaiser Otto III.
wirkte.

Schließlich begab sich Adalbert mit tatkräftiger Unterstützung des polnischen Herzogs Boleslaw I. zur Mission bei den Pruzzen, blieb aber ohne Erfolg. Am Frischen Haff wurde Adalbert mit einem Ruder erschlagen und mit Spießen durchbohrt. Boleslaw I. liess seinen Leichnam mit Gold aufwiegen, um ihm ein würdiges Begräbnis bereiten zu können. Adalberts Gebeine ruhen seit 1039 im Veitsdom in Prag.
Schon 999 erfolgte seine Heiligsprechung durch Papst Silvester II.

Große "grenzüberschreitende" mitteleuropäische Heilige des Mittelalters sind Elisabeth von Ungarn (1293-1336), Gisela von Ungarn (985-1060), Kunigunde (bzw. Kinga) von Polen (1224-1292), Ladislaus I. von Ungarn (1040-1095), dessen Gebeine in der von ihm gegründeten Kathedrale im heute rumänischen Oradea ruhen; weiters der venezianisch-ungarische Märtyrer Gerhard von Csanad (1005-1046), Hedwig von Schlesien (1174-1243) sowie Elisabeth von Thüringen und Ungarn (1207-1231).

In der Zeit der katholischen Erneuerung des 16./17. Jahrhunderts hatten vor allem Heilige aus dem Jesuitenorden grenzüberschreitende Bedeutung: Der große Jugendheilige Stanislaus Kostka (1550-1568) oder die ostslowakischen Märtyrer P. Markus Krizevcanin (1580-1619), P. Melchior Grodziecki (1584-1619) und P. Stephan Pongracz (1582-1619).

An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wirkte in Warschau und Wien verdienstvoll der Heilige Klemens Maria Hofbauer (1751-1820), der um die Überwindung der Folgen des Rationalismus im kirchlichen Leben bemüht war. Geboren wurde Hofbauer in Tasovice (Tasswitz) in Mähren als Klemens Dvorak; sein Vater war tschechisch-, seine Mutter deutschsprachig.

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