Erzdiözese Wien

 
In Innsbruck werden Glocken für Bosnien gegossen

Acht neue Glocken, die für Wallfahrtskirche in Kupres bestimmt sind, werden zunächst bei der "Wallfahrt der Völker" in Mariazell erklingen (Kathpress, 25.3.04)

In der traditionsreichen Innsbrucker Glockengießerei "Grassmayr" erfolgt am Freitag der Glockenguss der "Glocken für Kupres". Die acht neuen Glocken symbolisieren die Teilnehmerländer des Mitteleuropäischen Katholikentags und werden zur "Wallfahrt der Völker" am 22. Mai in Mariazell erstmals erklingen.
Die Glocken sind ein Geschenk der katholischen Kirche in Österreich an die katholische Kirche in Bosnien-Hercegovina. Im Anschluss an den Katholikentag werden sie als Zeichen der Verbundenheit in der wieder errichteten Kirche zur Heiligen Familie im bosnischen Kupres, die im letzten Krieg in Bosnien zerstört wurde, ihren Platz finden.

Gespendet werden die Glocken von den Diözesen Linz, Gurk, Graz-Seckau, St. Pölten sowie der Erzdiözese Salzburg und der Militärdiözese. Auch die burgenländischen Kroaten, die Frauenorden
Österreichs, die Männerorden Österreichs und die Kroatische Gemeinde in Wien tragen zu den Kosten bei. Eine Glocke wird von der Glockengießerei "Grassmayr" selbst gespendet.

Die Idee für das Projekt "Glocken für Kupres" wurde in der Arbeitsgruppe Liturgie zur Vorbereitung der "Wallfahrt der Völker" entwickelt. Besonders der Grazer Dompfarrer Prälat Gottfried Lafer als Liturgie-Verantwortlicher der "Wallfahrt der Völker" und der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Msgr. Ägidius Zsifkovics, setzen sich für das Projekt ein.

Die Kirche in Österreich möchte mit dieser Geste zum Ausdruck bringen, dass die Kirche in Bosnien-Hercegovina in dieser schwierigen Phase ihrer Geschichte von den österreichischen Katholiken nicht
vergessen wird. Gerade das Glockengeschenk hat hohen symbolischen Wert in einem Land, das sich nach langen Jahren des Krieges derzeit gerade im Wiederaufbau befindet.

Am 26. März wird unter Teilnahme von Repräsentanten aus Kirche und Politik der Glockenguss erfolgen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Bosnien-Hercegovina, Bischof Franjo Komarica,
wird ebenso teilnehmen wie Innsbrucks Bischof Manfred Scheuer.

Allen Glocken gemeinsam ist auf der Vorderseite das Katholikentags-Logo, das Motto "Christus - Spes Europae" ("Christus -Hoffnung Europas") sowie auf der rechten Seite jeweils Wappen und Name eines der acht Teilnehmerländer. Weiters zu sehen ist u.a. die Inschrift "Peregrinatio Populorum - Mariazell, die XXII. mensis Maii MMIV" (Wallfahrt der Völker - Mariazell, 22. Mai 2004) sowie das Bibelwort "Quodcumque dixerit vobis, facite!" ("Was Er euch sagt, das tut!").

Kupres hat für die bosnischen Katholiken hohen Symbolwert. Die erst 1969 erbaute Pfarrkirche zur Heiligen Familie wurde während des Bosnien-Krieges von Einheiten der Jugoslawischen Volksarmee gesprengt, ebenso der Pfarrhof. Zahlreiche kroatische Katholiken wurden vertrieben, nicht wenige getötet. Nach dem Krieg kehrte nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wieder zurück.

Mit dem Wiederaufbau der Kirche in Kupres setze man ein deutliches Zeichen des unzerstörbaren Glaubens, hat Kardinal Vinko Puljic, der Erzbischof von Sarajevo, in der Vergangenheit mehrmals betont. Auf Grund der starken symbolischen Aussagekraft war Kupres auch Ort des gesamtbosnischen Katholikentags im Juli 2003. Die Feier, an der auch eine Abordnung der Diözese Gurk unter Führung von Diözesanbischof Alois Schwarz teilnahm, stand ganz im Zeichen der Versöhnung.

Harmonischer Klang

Beim Glockenguss fließt die flüssige Bronze mit einer Temperatur von zirka 1.100 Grad Celsius in die festgemauerte Lehmform. Das Geheimnis des Glockengießers besteht darin, jede Glocke für sich so zu berechnen und zu gießen, dass die einzelnen Teiltöne innerhalb einer Glocke harmonieren und zudem alle Teiltöne der verschiedenen Glocken auch miteinander in Wohlklang - wie in einem Orchester - abgestimmt erklingen. Die neuen "Moll-Oktav-Glocken" für Kupres ergeben im Vollgeläute das "Pentatonische Motiv mit Oktavverdoppelung" sowie einem integrierten "Gloria Motiv" der drei größten Glocken.

Die größte Glocke wird mit ein Gewicht von mehr als vier Tonnen haben, die kleinste Glocke wird zirka 185 Kilo wiegen. Nach Anschlagen der Glocke mit dem Klöppel wird die größte Glocke zirka 190 Sekunden (also mehr als drei Minuten) und die kleinste Glocke etwa 120 Sekunden (also zirka zwei Minuten) nachklingen.

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