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Katholikentag: "Bewusstsein einer neuen Gemeinschaft" in Mitteleuropa

Kroatiens Primas Kardinal Bozanic: Intensive Vorbereitungen auf Mariazell - Bischof Küng bei Symposion in Zagreb: Bindungsangst und schwindender Glaube erfordern Änderung des pastoralen Angebots für Ehen und Familien (Kathpress, 26.4.04)

Mehr als 7.000 Pilger aus Kroatien mit Primas Kardinal Josip Bozanic an der Spitze, größtenteils aus den
nordkroatischen Diözesen Zagreb und Varazdin, werden zur "Wallfahrt der Völker" am 22. Mai in Mariazell erwartet. Die intensiven Vorbereitungen dazu - mehrere Veranstaltungen zum Mitteleuropäischen Katholikentag, darunter ein großes internationales Symposion am Wochenende im Zagreb - "haben in unseren Ländern eine Bewegung ausgelöst", sagte Bozanic im Gespräch mit österreichischen Journalisten, die an einer "Kathpress"-Pressefahrt nach Kroatien teilnahmen. "Was sich hier gebildet hat, ist das Bewusstsein einer neuen Gemeinschaft zwischen diesen acht Ländern Mitteleuropas", so Bozanic: "Wir lernen einander kennen. Die Treffen und Symposien haben neue Beziehungen entwickelt."

Kardinal Bozanic hob die zeitliche Verbindung zwischen dem nach Ostern Kroatien von der Europäischen Kommission übermittelten "grünem Licht" zu Beitrittsverhandlungen und der "Wallfahrt der Völker" hervor: "Ich bin überzeugt, dass Mariazell kein Schlusspunkt ist, sondern dass danach erst vieles beginnen wird." Es gehe um ein neues Zusammenkommen der Völker. "Die Initiative des Katholikentags ist dabei ein wichtiger Beitrag. Sie gehört zu diesem Prozess der europäischen Einigung. Schließlich ist so etwas wie die 'Wallfahrt der Völker' in diesem Teil Europas bisher noch nicht da gewesen", betonte der Erzbischof von Zagreb.

Zum EU-Beitritt Kroatiens, den kroatische Politiker jetzt bereits für 2007 oder 2008 - gemeinsam mit Rumänien und Bulgarien - erwarten, zeigte sich Bozanic optimistisch auch im Blick auf die Bewahrung der katholisch geprägten Identität seines Landes. Die Kirche in Kroatien werde auch unter den neuen Bedingungen ihre Rolle wahrnehmen und den Menschen eine Hilfe sein. Die Kirche sehe sich auch nicht als "Hüterin der Nation", wie oft geschrieben werde, sondern vielmehr als "Trägerin der Frohbotschaft". Natürlich sei in der Europäischen Union nicht alles ideal, aber der Beitritt sei für das Land besser als ein Draußenbleiben.

Der Primas-Erzbischof erinnerte, dass Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch vor einem Jahr die Hoffnung geäußert hatte, Kroatien werde auch politisch bald in die Gemeinschaft der europäischen Länder integriert. Die kroatische Kirche habe den Weg des Landes in die EU immer unterstützt. Eine Umfrage in den Pfarren habe ein Zustimmung von 70 bis 75 Prozent der praktizierenden Katholiken für einen Beitritt ergeben. "Wir hoffen jetzt auf eine positive Entscheidung des Europäischen Rats im Juni", so Bozanic.

2.000 bei Zagreber Katholikentags-Messe

Vor dem Gespräch mit den österreichischen Journalisten hatte Kardinal Bozanic in der Zagreber Kathedrale gemeinsam mit Bischöfen aus Österreich, Ungarn und der Tschechischen Republik einen großen "Mitteleuropa-Festgottesdienst" mit rund 2.000 Gläubigen gefeiert.
Der Gottesdienst bildete den Abschluss des Katholikentags-Symposions "Familie - Im Mittelpunkt von Kirche und Gesellschaft". Zu den österreichischen Referenten bei der internationalen Tagung gehörten der Feldkircher Diözesanbischof Klaus Küng und der Wiener Moraltheologe Prof. Gerhard Marschütz. Veranstalterin war die Kroatische Bischofkonferenz in Kooperation mit den Bischofskonferenzen mehrerer Katholikentagsländer, darunter Österreich.

Bischof Küng sagte bei dem Symposion, im Bereich der Familienpastoral würden heute europaweit ähnliche Entwicklungen registriert: starke Zunahme der Lebensgemeinschaften, Rückgang der Eheschließungen, insbesondere der kirchlichen, zu geringe Kinderzahl und hohe Scheidungsraten. Andererseits bestätigten zahlreiche Umfragen, dass fast alle Menschen, auch die Jugend, eine glückliche und dauerhafte Familie anstrebten und als hohen Wert ansehen. Die besten Chancen zu einem Gelingen biete eine auf der sakramentalen Ehe aufgebaute Familie.

Küng hob hervor, dass die heute weit verbreitete Bindungsangst, das Absinken der Glaubenspraxis und des religiösen Grundwissens das bisherige kirchliche Angebot für Ehen und Familien nicht mehr "greift". Neue pastorale Wege müssten entwickelt werden. Es müsse auch gelingen, den Menschen die wahre Bedeutung von Sexualität nahe zu bringen, die nicht bloß ein Konsumartikel, sondern "etwa Kostbares und Heiliges" sei. Auch die Probleme der Geschiedenen und wiederverheirateten Geschiedenen müssten der Kirche ein wichtiges Anliegen sein.

Bevölkerungsrückgang hat Folgen

Die kroatischen Referenten bei dem Symposion - darunter der Soziologe Gordan Crpic - wiesen auf die dramatischen Auswirkungen eines Bevölkerungsrückgangs hin. Crpic sagte, die Bevölkerung Kroatien sei zwischen 1991 und 2001 von 4,8 Millionen auf 4,3 Millionen zurückgegangen. Die Zahl der Geburten lag 1986 noch bei mehr als 60.000, 1991 bei mehr als 51.000 und 2000 nur mehr bei 43.700. Die Geburtenrate liege heute bei 1,36 pro Frau, während für den Erhalt der Bevölkerungszahl 2,1 notwendig wären. In Ostkroatien (Slawonien) gebe es ländliche Gebiete, in denen nur mehr Alte und Arme lebten. In die Infrastruktur werde nicht mehr investiert; zudem fehlten dem Staat die Mittel, um in Arbeitsplätze zu investieren und eine Trendumkehr in die Wege zu leiten.

Der Wiener Moraltheologe Gerhard Marschütz betonte, in Europa bestehe eine Diskrepanz zwischen "zu wenigen 'neuen Männern' und zu vielen 'neuen Frauen'. Aus soziologischer Sicht liege hierin ein zentraler Grund für den Rückgang der Kinderzahl und für die Instabilität heutiger Ehen. Gesamtgesellschaftlich fehle noch immer die Neubewertung - das heißt substanzielle Aufwertung und soziale Anerkennung - familiärer Fürsorgetätigkeit. Familie dürfe nicht mehr länger als "frauenzentrierte", sondern als "elternzentrierte" Aufgabe begriffen werden.

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