Mariazell: Wallfahrt wird großes gemeinsames Glaubensfest
Kulturelle und spirituelle Vielfalt der acht Teilnehmerländer des Mitteleuropäischen Katholikentages soll den Gottesdienst prägen. (Kathpress, 18.5.04)
Die "Wallfahrt der Völker" am 22. Mai in Mariazell wird den kulturellen, geistigen und spirituellen Reichtum der Menschen Mitteleuropas sichtbar machen. Das erklärte der Grazer Dompfarrer Prälat Gottfried Lafer, der für die Liturgie dieses Höhepunktes des Mitteleuropäischen Katholikentages verantwortlich zeichnet, im Gespräch mit "Kathpress". Bei der Jugendwallfahrt, im Vorprogramm zum zentralen Festgottesdienst und auch im Gottesdienst selbst kämen die verschiedenen Völker mit ihren Texten, Liedern und Traditionen zu Wort.
Bei der Gestaltung der gesamten Liturgie sei man davon ausgegangen, dass die Völker einander "mit großer Ehrfurcht begegnen", im Wissen um ihre unterschiedliche Geschichte, Kultur und Mentalität, so Lafer. Die Begegnung in dieser Vielfalt sollte in ein großes gemeinsames Freudenfest des Glaubens führen.
Die Jugendwallfahrt wird am Freitag, 21. Mai, um 20 Uhr in der Mariazeller Basilika offiziell eröffnet. Um 22.30 Uhr beginnt eine Gebetsnacht, die bis 6.30 Uhr dauert. Dabei wird je eine Stunde von Jugendlichen aus einem der Teilnehmerländer gestaltet. In der Mitte jeder Anbetungsstunde wird es laut Lafer ein Orgelstück geben, gespielt von Orgelstudenten aus Österreich. Zum Abschluss wird am Samstagmorgen ein Morgenlob ("Laudes") in der Basilika gefeiert.
Es folgt eine feierliche Prozession, bei der die Gnadenstatue von Mariazell von der Basilika auf das Festgelände auf dem Flugfeld Mariazell-St. Sebastian geleitet wird. Die Prozession wird durch Gebet, Gesang und das Spiel der Blasmusikkapelle Mariazell geprägt sein. Auf dem Festgelände wird die Gnadenstatue auf einer für alle sichtbaren Stele aufgestellt.
Um 8 Uhr beginnt das Vorprogramm zur Eucharistiefeier. Dabei stellen sich die acht Teilnehmerländer in ihrer jeweiligen Sprache vor. Diese Präsentationen sollen zwischen 10 und 15 Minuten dauern. Eingeleitet werden sie jeweils durch eine Melodie, die Glockenschläger auf den acht eigens für die "Wallfahrt der Völker" gegossenen Glocken spielen. Jedes Land nennt ein eigenes Gebetsanliegen, präsentiert ein besonderes Glaubenszeugnis und stellt eine Votivkerze vor der Gnadenstatue ab. Ein Lied in der Landessprache schließt die Präsentation ab.
Erinnerung an Kardinal König
In das Vorprogramm soll laut Prälat Lafer auch eine Erinnerung an den verstorbenen Wiener Alterzbischof Kardinal Franz König einflochten werden, dem der Mitteleuropäische Katholikentag und die Wallfahrt nach Mariazell "ein großes Anliegen war". Die Eucharistiefeier, die um 11 Uhr beginnt, steht unter dem Wort Mariens "Was Er euch sagt, das tut". Der Grazer Bischof Egon Kapellari begrüßt als örtlich zuständiger Diözesanbischof die versammelten Gläubigen in allen Katholikentagssprachen; Kardinal-Legat Angelo Sodano leitet "im Namen des Papstes" die Eucharistiefeier. In die Gestaltung der Messe sind alle teilnehmenden Länder sprachlich und musikalisch eingebunden.
Sprachgrenzen überschreitende Symbole sollen bei dem Wallfahrtsgottesdienst sichtbar machen, dass das Christentum alle Länder Europas geprägt hat: die Kopie eines mittelalterlichen Taufbeckens aus Kroatien erinnert daran, dass alle durch die Taufe verbunden sind; der Tassilokelch aus dem Stift Kremsmünster als Symbol für die Feier der Eucharistie; das Kreuz des Österreichischen Katholikentages 1983 (zu dem auch Papst Johannes Paul II. gekommen war), das vom Wiener Heldenplatz nach Mariazell transferiert wurde; nicht zuletzt ein achtstimmiges Friedensgeläute der neuen Glocken, die die Teilnehmerländer des Mitteleuropäischen Katholikentags symbolisieren (die Glocken werden nach der "Wallfahrt der Völker" als Zeichen der Verbundenheit in der wieder errichteten Wallfahrtskirche von Kupres in Bosnien ihren Platz finden).
Ein wichtiges Element des Gottesdienstes wird laut Lafer die Erneuerung des Taufversprechens sein. Dieses gemeinsame Bekenntnis zum gemeinsamen Glauben werde auch ein Zeichen der Versöhnung sein. Bischöfe werden durch die Reihen gehen und die Gläubigen mit Weihwasser besprengen.
Das Evangelium - die Erzählung von der "Hochzeit zu Kana", aus der auch das Marien-Wort "Was Er euch sagt, das tut" stammt - wird zwei Mal gesungen: in deutscher und in altslawischer Sprache. Die Predigt wird Kardinal Christoph Schönborn halten.
Kollekte für sozialen Zweck
Zur Gabenbereitung bringen Abordnungen aus den acht Teilnehmerländern symbolische Gaben zum Altar. Die Kollekte bei der Eucharistiefeier wird aufgeteilt zu Gunsten eines Projektes in Afrika (Ausbildung für Katechisten und Katechistinnen in der Repuplik Kongo) und eines Projektes in Albanien (Bau einer von Franziskanerinnen geführten Mittelschule in Lezhe).
Mit Kardinal Sodano werden die Vorsitzenden der acht Katholikentags-Bischofskonferenzen, die weiteren anwesenden Kardinäle sowie Bischof Kapellari konzelebrieren, kündigte Lafer an. Das Vater Unser wird in lateinischer Sprache gebetet werden. Zur Spendung der Kommunion werden 400 Kommunionspender im Einsatz sein, begleitet von jugendlichen Helfern.
Zur musikalischen Gestaltung kommen eine Reihe von Chören aus den Teilnehmerländern zu Einsatz, neben einem "Kernchor" mit rund 200 Sängerinnen und Sängern (aus der Steiermark und Kroatien) und einem Orchester. Dirigent wird der Grazer Domkapellmeister Josef Döller sein. Die musikalische Gesamtverantwortung für den Gottesdienst liegt beim Wiener Kirchenmusiker Thomas Dolezal.
Am Ende des Festgottesdienstes wird den Gläubigen eine gemeinsame Abschlussbotschaft der Bischofskonferenzen des Mitteleuropäischen Katholikentages ("Botschaft von Mariazell") mitgegeben - "als Konkretisierungsauftrag dessen, was wir in Mariazell gefeiert haben", so Prälat Lafer. Dann folgt eine Prozession mit der Gnadenstatue von Mariazell durch die Reihen der Teilnehmer bis zum Ausgang aus dem Festplatz.
Auf dem Festgelände schließt an den Gottesdienst ein "Fest der Begegnung" an. Am späteren Nachmittag folgen wieder jugendspezifische Highlights mit zahlreichen Workshops Gesprächsrunden, Musik und Kultur. Von 19 bis 21 Uhr ist ein Jugendfest auf dem Festgelände geplant. Abschluss und Höhepunkt des Jugendtreffens ist ein Jugendgottesdienst am Sonntag, 23. Mai, um 11 Uhr auf dem Flugfeld, der von den "Jugend-Bischöfen" der Teilnehmerländer zelebriert wird.
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