Diözese Eisenstadt

 
Schönborn: Mitteleuropa ist ein "gemeinsamer Geschichtsraum"

Wiener Erzbischof in "SN"-Interview zum Mitteleuropäischen Katholikentag: "Wir werden wieder zusammenrücken, so wie wir einander Jahrhunderte lang sehr nahe waren" - Ein Beitrag zur "Heilung der Wunden der Vergangenheit" (Kathpress, 9.6.03)

Österreich und die sieben anderen Teilnehmerländer des Mitteleuropäischen Katholikentags bilden einen "gemeinsamen Geschichtsraum", betonte Kardinal Christoph Schönborn in einem Interview für die Pfingstnummer der "Salzburger Nachrichten" (SN). Mit Ausnahme von Kroatien und Bosnien werden alle Partner-Länder, deren Bischofskonferenzen den Katholikentag mittragen, am 1. Mai "aller Wahrscheinlichkeit nach" der EU beitreten, erinnerte der Wiener Erzbischof: "Damit werden wir wieder zusammenrücken, so wie wir einander Jahrhunderte lang sehr nahe waren".

Die EU-Erweiterung sei aber nicht das eigentliche Thema des Katholikentags, sondern der geschichtliche Moment dafür, dass "die Christen in dieser mitteleuropäischen Region zusammenkommen". Kardinal Schönborn nannte drei große Themenbereiche des Mitteleuropäischen Katholikentages: Erstens sei es ein Beitrag "zur Heilung der Wunden der Vergangenheit". Die meisten der teilnehmenden Länder hätten tiefe Wunden, entweder zwischen- oder innerstaatliche.
Konkret nannte Schönborn das Verhältnis Tschechien-Österreich, Slowakei-Ungarn oder Slowenien-Kroatien. Zweitens wies Schönborn darauf hin, dass Europa nicht nur an Handelsstraßen, sondern auch entlang der Pilgerwege entstanden ist: "Denken Sie an den Jakobsweg, der in Österreich beginnt und bis Santiago de Compostela geht". Große Wallfahrtsorte seien so etwas wie "Quellorte". Europa sei nicht nur ein dynamischer Wirtschaftsraum, sondern auch ein spiritueller Raum.
"Daher finden wir uns am Ende des Katholikentages zu einer großen Wallfahrt aller dieser Völker in Mariazell zusammen", so Schönborn.
Das dritte große Thema bestehe darin, dass "wir Katholiken dieses Europa mitgestalten wollen, das daran ist, sich zu konstitutieren".

Kardinal Schönborn nahm in dem Interview auch zur Frage Stellung, warum statt des Katholikentags nicht ein ökumenischer Akzent gesetzt worden sei. Die ökumenische Situation sei in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich: "Hätten wir in jedem dieser Länder die Ökumene eingebunden, wären wir in eine unglaublich komplexe Situation gekommen". Deshalb gehe es jetzt einmal darum, sich als Katholiken "zusammenzufinden". Aber selbstverständlich seien die anderen christlichen Kirchen zu allen Veranstaltungen eingeladen und "sehr willkommen".

Was eine intensivere Begegnung mit der orthodoxen Kirche betrifft, meinte der Kardinal, dass der mitteleuropäische Raum eher das katholische Spektrum der europäischen Geschichte sowie das katholisch-protestantische Spannungsfeld betreffe. Die Orthodoxie sei zwar in allen Ländern vorhanden, doch nicht die gesellschaftlich prägende Kraft. "Wenn Sie die alte Scheidelinie zwischen Ost- und West-Rom nehmen, dann sind wir hier immer noch im weströmischen Raum. Der oströmische Raum beginnt eben mit dem Einflussgebiet von Byzanz, das ist Serbien, Bulgarien, Rumänien, Ukraine, Weißrussland", so Schönborn wörtlich.

Besondere Bedeutung maß der Wiener Erzbischof im "SN"-Interview den grenzüberschreitenden Wallfahrten zu. Die Wallfahrten würden heute von vielen Menschen wieder entdeckt: "Man will etwas erleben, oder erfahren oder 'er-gehen". Ich muss sagen, auch mir macht das Freude. Der Glaube muss gehen. Er ist ein Weg, und er hat ein Ziel". Persönlich werde er beispielsweise am 20. August beim offiziellen Stephanstag in Budapest anwesend sein sowie auch im Juli zur Tschechischen Nationalwallfahrt nach Velehrad kommen, sagte Schönborn.

Angesprochen auf die Verständigungsproblematik bei acht teilnehmenden Ländern, betonte Schönborn, dass bei den diversen Vorbereitungstreffen meist Deutsch gesprochen werde: "Für uns Österreicher ist das beschämend, weil wir erleben, wie selbstverständlich Deutsch in unseren Nachbarländern gesprochen wird und wie wenig selbstverständlich für uns Ungarisch, Tschechisch und Kroatisch sind". Bei der großen Abschlussmesse in Mariazell werde es sowohl lateinische als auch Elemente in den einzelnen Nationalsprachen geben, so der Kardinal.

[Druckansicht]

   

Dank an Mitarbeiter
Katholikentag nur durch Unterstützung möglich
» mehr

Europa braucht "Europäer"
Sodano trifft sich mit Bischöfen
» mehr

Europäische Identität
Debatte muss weiter gehen
» mehr

Schlussbotschaft
von der "Wallfahrt der Völker"
» mehr