Diözese Eisenstadt

 
Nach 50 Jahren brennen wieder die "schweigenden Kerzen" von Mariazell

Symbolträchtiger Auftakt zur "Wallfahrt der Völker" am 20. Mai in Mariazell - Festgottesdienst zum Dank für die endgültige Überwindung des Eisernen Vorgangs durch EU-Erweiterung (Kathpress, 10.3.04)

Die Kirche feiert das Zusammenwachsen von Ost- und Westeuropa mit einer symbolträchtigen Veranstaltung: Zum Auftakt der "Wallfahrt der Völker" - dem Höhepunkt des Mitteleuropäischen Katholikentags - werden am 20. Mai bei einem Festgottesdienst in Mariazell wieder die "schweigenden Kerzen" brennen. Die Geste geht auf eine historisches Datum in der Geschichte der Kartholischen Arbeiterjugend (KAJ) vor 50 Jahren zurück: auf den 1. Mai 1954. An diesem Tag versammelten sich 7.500 junge Arbeiterinnen und Arbeiter aus ganz Österreich in Marizell, um der verfolgten und unterdrückten Brüder und Schwestern jenseits des damals neuen "Eisernen Vorhanges" zu gedenken.

In einer nächtlichen Feierstunde versprach sie ihren Glaubensgeschwistern im Osten ihre Solidarität. Als Zeichen stellten sie einen schmiedeeisernen Leuchter mit neun Kerzen auf, jede ein Symbol für ein Bundesland und zugleich für ein Land des damaligen "Ostblocks". Nach dieser Nacht wurden die Kerzen gelöscht und sollten erst von Pilgern entzündet werden, die nach Wiedererringung der Freiheit nach Mariazell kommen würden. 1990 wurde mit der politischen "Wende" im Osten dieser Wunsch Wirklichkeit: Ehemalige Mitglieder der KAJ pilgerten damals mit Abordnungen aus Polen, Ungarn, Kroatien und aus der damaligen CSFR nach Mariazell, wo die Vertreter aus dem ehemaligen "Ostblock" die symbolischen Kerzen "ihrer" Länder erneut entzündeten.

Am 20. Mai werden angesichts der EU-Erweiterung die "schweigenden Kerzen" von Mariazell wieder brennen: Kardinal Franz König wird einen großen Festgottesdienst in Mariazell leiten. Er ist der einzige Bischof, der schon im Jahr 1954 dabei war. Vor 50 Jahren hatte er sich als Bischof-Koadjutor von St. Pölten an der Freiheitswallfahrt nach Mariazell beteiligt. Prediger war damals der legendäre Gründer der Katholischen Arbeiterjugend, der spätere Kardinal Joseph Cardijn (1882-1967) aus Belgien. Sein Grundprinzip "Sehen - Urteilen - Handeln" gilt bis heute als Auftrag zur gesellschaftspolitischen Veränderung aus dem Geist des Evangeliums.

1954 übernahm jede österreichische Diözese die Patronanz für ein Land im damaligen Ostblock, so beispielsweise die Erzdiözese Wien für Polen, die Diözese Eisenstadt für Ungarn oder die Diözese Gurk für das damalige Jugoslawien. Mit dieser Aktion wollte man die Verbundenheit der Katholiken Österreichs mit der Kirche in den vom Kommunismus unterdrückten Ländern zum Ausdruck bringen. Nun sollen aus den "Patenschaften" von einst echte "Partnerschaften" werden. Zu dem Festgottesdienst am 20. Mai werden Bischöfe und Abordnungen aus allen ehemals kommunistischen Ländern erwartet. Am Freitag, 21. Mai, werden die Abordnungen aus den Teilnehmerländern an einer Studientagung zu sozialen Fragen teilnehmen. Ziel der Tagung ist die Erarbeitung einer Sozialcharta für die mittel- und osteuropäischen Länder.

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