Dommuseum Wien: Moderne Künstler sehen Johannes Nepomuk
Grenzüberschreitendes Kunstprojekt wird bis 24. März gezeigt - Begleitveranstaltung zum Mitteleuropäischen Katholikentag - Museumsdirektor Ederndorfer: "Wie sieht ein moderner Mensch einen
Heiligen, der im Mittelalter gelebt hat?" (Kathpress, 10.2.04)
Das Ergebnis einer eindrucksvollen tschechisch-österreichischen Zusammenarbeit zeigt das Wiener Dom- und Diözesanmuseum als Sonderausstellung zum Mitteleuropäischen Katholikentag. Von Mittwoch, 11. Februar, bis Mittwoch, 24. März, wird das von 36 Künstlern in der säkularisierten böhmischen Zisterzienserabtei Plasy gestaltete Kunstprojekt über den Heiligen Johannes Nepomuk ausgestellt. Die "sehr spannenden Arbeiten" - so Museumsdirektor Gerhard Ederndorfer bei der Presseführung am Dienstag - gehen von der Moderne aus und führen zurück ins Mittelalter und in die Welt der christlichen sakralen Bildsprache an Hand der Gestalt des Heiligen Johannes Nepomuk (1340-1393).
Ederndorfer wies auf die große Aktualität des von Künstlern aus "Mitteleuropa" variierten Themas hin: "Wie sieht ein moderner Mensch einen Heiligen, der im Mittelalter gelebt hat? Wie sehe ich heute
bestimmte Symbole?" Der von einem der Künstler hergestellte Zusammenhang zwischen Nepomuk-Sternenkranz und Europa-Sternenflagge sei dabei eine besonders gelungene Assoziation.
Ausstellungsleiter Prof. Aldemar Schiffkorn vom Linzer Landesbüro für kulturelle Auslandsbeziehungen erinnerte daran, dass das Projekt in keiner harmonischen Zeit entstanden sei. Während die Künstler in den Sälen der Abtei Plasy am Werk waren, wurden an der Staatsgrenze Blockaden errichtet, und aufgebrachte Österreicher demonstrierten gegen die "atomfreundliche" Regierung in Prag.
Das Künstler-Projekt habe jedoch mit dazu beigetragen, dass "Nachdenklichkeit eingesetzt" habe, so Schiffkorn. Als einen, dem dies in besonderem Ausmaß zu verdanken sei, bezeichnete Schiffkorn den damaligen Botschafter Prags in Wien, Jiri Grusa.
Grusa ist auch einer der Autoren im Ausstellungskatalog. Er nimmt darin zum Verhältnis von Jan Hus und Jan Nepomuk - beide waren sogar Studienkollegen - Stellung. Grusa wörtlich: "Johannes Nepomuk und Johannes Hus sollten später beide eine polemische Ausnutzung ihrer Biografien erleiden. (...) Im tschechischen Himmel bilden Hus und Nepomuk gewiss eine Einheit. Ja eine Brücke, eine Anbindung ans Unsagbare. Und sie verdeutlicht: manchmal hat man zu sprechen, ein anderes mal zu schweigen".
Die Ausstellung wird an drei Schauplätzen in der Wiener Innenstadt - Dommuseum, Palais Porcia, Jesuitenfoyer - gezeigt und umfasst 45 Monumentalmalereien sowie zahlreiche Fotografien von insgesamt 36 Künstlern. Österreich ist repräsentiert durch Hans Hoffmann-Ybbs, Paul Horn, Anka Luger, Edda Seidl-Reiter und Wolfgang Stifter.
Der Heilige Johannes von Nepomuk wurde 1340 in Pomuk bzw. Nepomuk in der Nähe von Pilsen geboren. Er studierte Recht in Prag und Padua. 1380 wurde er zum Priester geweiht. Später wurde er Domherr und Generalvikar des Erzbischofs von Prag.
Der Überlieferung zufolge war Johannes Nepomuk Beichtvater der Königin Johanna, der Ehefrau von König Wenzel. Weil Johannes sich weigerte, die Beichtbekenntnisse der Königin preiszugeben, ließ ihn
der König 1393 foltern und in der Moldau ertränken. 1729 wurde Johannes von Nepomuk durch Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen. Sein Festtag ist der 16. Mai.
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