Katholikentag: Zehntausende Gläubige bei internationalen Wallfahrten
Im kroatischen Marija Bistrica und im slowakischen Lutina wurde an die völkerverbindende Kraft des christlichen Glaubens erinnert (Kathpress, 4.9.03)
Zehntausende Katholiken haben an den jüngsten internationalen Wallfahrten im Rahmen des Mitteleuropäischen Katholikentags in Lutina (Slowakei) und Marija Bistrica (Kroatien) teilgenommen. Nach Marija Bistrica bei Zagreb waren am letzten August-Wochenende zahlreiche Gläubige aus Kroatien, Slowenien, Kärnten, dem Burgenland und Bosnien gekommen. Unter den teilnehmenden Bischöfen war auch Militärbischof Christian Werner.
In ihren Ansprachen nahmen der Zagreber Erzbischof Josip Bozanic und der Laibacher Erzbischof Franc Rode Bezug auf den Mitteleuropäischen Katholikentag. Bozanic forderte eine verstärkte Präsenz von Christen im öffentlichen Leben der mitteleuropäischen Länder. Der Zagreber Erzbischof erinnerte an die beiden herausragenden Gestalten des katholischen Widerstands gegen den Kommunismus im früheren Jugoslawien, den kroatischen Kardinal Alojzije Stepinac und den slowenischen Bischof Anton Mahnic.
Rode rief dazu auf, an der "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell Ende Mai 2004 teilzunehmen. Das Motto des Mitteleuropäischen Katholikentags - "Christus - Hoffnung Europas" - drücke aus, dass Europa nicht einzig auf der Basis wirtschaftlichen Erfolgs gebaut werden könne. Europa müsse sich vielmehr an seinen Wurzeln "re-orientieren", so Rode.
Dazu gehöre eine Anerkennung der zentralen Werte und eine Besinnung auf den Kern des christlichen Glaubens: "Es geht um Gott, der mit der Menschheit eine Beziehung eingegangen ist, die das Fundament für die Würde des Menschen und seine Freiheit bildet". Als zweites Ziel nannte Rode die Festigung der Freundschaft unter den Menschen in den Teilnehmerländern des Katholikentags. Es handle sich um Länder, die wesentlich durch eine "gemeinsame katholische Tradition" geprägt seien.
Griechisch-katholisches Wallfahrtszentrum
Nach Lutina kamen mehr als 20.000 vorwiegend griechisch-katholische Gläubige aus der Slowakei, Polen, Ungarn und der Ukraine. Unter den Teilnehmern befand sich auch der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des slowakischen Nationalrats und Chefunterhändler bei den Beitrittsverhandlungen der Slowakischen Republik zur Europäischen Union, Jan Figel. Höhepunkt der Wallfahrt war eine feierliche Liturgie unter Leitung des Presover griechisch-katholischen Bischofs Jan Babjak. Konzelebranten waren unter anderem Babjaks Amtsvorgänger Jan Hirka sowie der Exarch von Kosice, Milan Chautur, der auch die Predigt hielt. Darin erinnerte er an die Märtyrer der griechisch-katholischen Kirche, vor allem an Bischof Vasyl Hopko, der demnächst von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wird.
Lutina ist der bedeutendste Wallfahrtsort der griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei. Die Wallfahrt geht in die Barockzeit zurück. Die unierte griechisch-katholische Kirche in der Slowakei zählt 400.000 Gläubige. Sie geht auf die Union von Uschgorod von 1646 zurück. Mit der Union von Uschgorod hatten sich die byzantinischen Gläubigen in dem damals zum Habsburgerreich gehörenden gebirgigen Grenzgebiet der Ostkarpaten der katholischen Kirche angeschlossen.
Die aus der Uschgoroder Union hervorgegangene griechisch-katholische Kirche ist heute auf die Eparchien Presov (Slowakei), Mukatschewo (Ukraine), Hajdudorog (Ungarn) sowie die Exarchate Kosice (Slowakei), Miskolc (Ungarn) und Ruski Krstur (Serbien) aufgeteilt.
1950 verboten die kommunistischen Behörden - wie in anderen Oststaaten - auch in der Tschechoslowakei die mit Rom unierte Kirche des byzantinischen Ritus. Sie wurde unter Zwang mit der Orthodoxie "wiedervereinigt".
Der Presover Bischof Pavel Petr Gojdic (1888-1960; 2001 selig gesprochen) leistete der Eingliederung energischen Widerstand. Er wurde 1950 festgenommen und interniert, 1951 wurde ihm und weiteren Bischöfen der Schauprozess gemacht. Gojdic wurde wegen Hochverrats zu lebenslänglichem Kerker verurteilt und starb 1960 im Gefängnis.
Im Zuge des "Prager Frühlings" 1968 wurde die griechisch-katholische Kirche wieder zugelassen. Auch der Leichnam Gojdics konnte nach Presov überführt und in der Krypta der griechisch-katholischen Kathedrale beigesetzt werden.
Ein weiterer Märtyrer der griechisch-katholischen Kirche ist Bischof Vasyl Hopko (1904-1976), den Papst Johannes Paul II. am 14. September in Petrzalka selig sprechen wird. Hopko war Weihbischof der Diözese Presov und wurde 1950 interniert. Nach seiner Freilassung musste er als Hilfsarbeiter arbeiten und konnte nur im Untergrund pastoral tätig sein. Im "Prager Frühling" war Hopko unter den Gründungsmitgliedern eines aus 163 Priestern und 66 Laien bestehenden "Aktionskomitees" zur Legalisierung der unierten Kirche. Am 13. Juni 1968 wurde die griechisch-katholische Kirche offiziell wieder zugelassen; Hopko starb acht Jahre später.
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