Kirchen Mitteleuropas schon weiter als EU
Gemeinsame Pressekonferenz des Wiener Erzbischofs und des kroatischen Primas Bozanic in Zagreb zum Abschluss der Tagung der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen Mitteleuropas in der südosteuropäischen Hauptstadt. (Kathpress, 30.4.2003)
Der in Kürze beginnende Mitteleuropäische Katholikentag (MEKT), der Papstbesuch in Kroatien sowie die
Abschlussfeiern zum 150-jährigen Bestehen der Erzdiözese Zagreb waren die Themen einer Pressekonferenz mit Kardinal Christoph Schönborn und dem kroatischen Primas Erzbischof Josip Bozanic in Zagreb. Anlass war der Abschluss einer Tagung der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen von Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Österreich, Polen, Ungarn, der Slowakei, Slowenien und der Tschechischen Republik in der kroatischen Hauptstadt.
Bei der Tagung wurde auch ein gemeinsamer Hirtenbrief unter dem Titel "Christus - Hoffnung Europas" von den anwesenden Bischöfen aus den acht Ländern unterzeichnet. Der Hirtenbrief wird Ende Mai/Anfang Juni - zum Beginn des MEKT - in den Kirchen verlesen.
Höhepunkt des MEKT, der ein Jahr dauert, ist die "Wallfahrt der Völker" am 22./23. Mai 2004 in Mariazell. Wie Kardinal Schönborn in Zagreb berichtete, sei die Einladung an Papst Johannes Paul II. für die "Wallfahrt der Völker" bereits persönlich übermittelt worden.
Der Kardinal wies darauf hin, dass hinsichtlich der europäischen Integration die katholischen Ortskirchen Mitteleuropas schon weiter seien als die EU. Durch den gemeinsamen Katholikentag antizipierten sie das, was im Rahmen der EU folgen werde oder noch folgen müsse. Das treffe nicht zuletzt im Blick auf Kroatien zu, das zwar nicht zur Erweiterungsrunde von 2004 gehöre, aber sein Beitrittsgesuch in Brüssel abgegeben habe. "Kroatien ist Europa", so Schönborn. Auch für Kroatien gelte, was Johannes Paul II. 1998 in Wien betont habe: Nicht eine "Osterweiterung der EU" sei im Gange, sondern eine "Europäisierung der Union".
Als die drei wichtigsten Anliegen des Katholikentags bezeichnete Schönborn die Versöhnung bzw. den Abbau der im Laufe der Geschichte entstandenen Feindbilder der Menschen in Mitteleuropa, die Besinnung auf die völkerverbindende Funktion der Pilgerstraßen und Wallfahrsorte sowie die Besinnung auf die gemeinsamen christlichen Werte.
Erzbischof Bozanic berichtete, dass die Feiern zum 150-jährigen Bestehen der Metropolie Zagreb am Samstag, 31. Mai, in Kroatien zugleich den Beginn des MEKT markieren werden. Dadurch falle die Papstreise vom 5. bis 9. Juni in die fünf Städte Rijeka, Zadar, Dubrovnik, Osijek und Djakovo schon in das Programm-Jahr des Katholikentags. Der Papstbesuch sei in diesem Sinne sogar ein "besonderes Geschenk" für das grenzüberschreitende Katholikenereignis 2003/04, so Bozanic.
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