Die Gnadenstatue in Mariazell
Die Gründung von Mariazell geht der Legende nach auf den Benediktinermönch Magnus aus St. Lambrecht (Steiermark) zurück. 1157 baute er seiner Marienstatue eine Zelle – an jenem Platz, an dem sich die Felsen vor ihm spalteten. (Pressestelle Graz-Seckau)
Der älteste Kirchenbau Mariazells geht vermutlich auf Markgraf Heinrich von Mähren zurück. Der gotische Chor entstand ab 1340, das Langhaus - eine dreischiffige Halle - ab 1360. König Ludwig I. von Ungarn ließ dem Bau wesentliche Förderung zuteil werden. Äußerlich wie im Inneren vereint die Kirche Gotik und Barock.
Herzstück der Basilika (erhoben 1908) ist das Gnadenbild, eine spätromanische Statue der Gottesmutter, die das Jesuskind auf dem rechten Arm trägt. Die nur 47 Zentimeter hohe frühgotische Schnitzfigur aus Lindenholz stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Seit der Barockzeit trägt sie stets einen ihrer 150 Umhänge. Für die Wallfahrt der Völker am 22. Mai 2004 haben Ordensfrauen der Zisterzienserinnenabtei Marienfeld (Niederösterreich) ein weiteres Kleid genäht: Auf Reinseidenrips wurden Blätterranken, die Staatswappen der acht einladenden Länder – Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowakei, Slowenien, Polen, Tschechien, Ungarn und Österreich – und das Motto des Mitteleuropäischen Katholikentages „Spes Europae“ („Hoffnung Europas“) gestickt.
Mariazell ist ein Ort besonderer Strahlkraft, die vor allem von der schlichten Gnadenstatue ausgeht. Als „Magna Mater Austriae“, „Magna Hungarorum Domina“ und „Mater Gentium Slavorum“ wird sie seit beinahe 850 Jahren verehrt. Auch in Zeiten politischer Repressalien war sie das Ziel von Pilgern aus ganz Europa. Bis hinein in die Gegenwart ist viel von österreichischer und europäischer Geschichte mit Mariazell verbunden. Papstbesuche (zuletzt 1983), traditionelle Pilgerströme und ungezählte einzelne Wallfahrer, die ihre Anliegen vorbringen oder Dank sagen, machen Mariazell zum Inbegriff der Wallfahrt in Österreich. Die „Wallfahrt der Völker“ am 22. Mai 2004 ist ein Höhepunkt in der Wallfahrtsgeschichte Österreichs.
Wallfahren
Wallfahren ist „Beten mit den Füßen“. Man macht sich auf den „Weg zu Gott“, allein oder in Gruppen, immer aber an Ziele, die auch andere anstreben, an Orte von besonderer religiöser Strahlkraft. Die ersten Wallfahrtsorte waren die Stätten der Bibel im Hl. Land, vor allem Jerusalem und Betlehem, dann die Apostelgräber in Rom (Petrus und Paulus) und Santiago de Compostella (Jakobus). Die Apostel werden verehrt als Weggefährten Christi, Zeugen seiner Auferstehung und Fürbitter. Später gewannen Marienwallfahrtsorte zunehmend an Bedeutung, z. B. Guadalupe in Mexiko, Fatima, Chartres, Lourdes, Tschenstochau, Mariazell für den Donauraum.
Motive zum Wallfahren können persönliche Anliegen sein, Dank für erlangte Hilfe, Bitte um Beistand in verschiedenen Nöten, Suche nach spiritueller Erneuerung, Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen. Auch große Anliegen wie die Bitte um Frieden in der Welt sind Beweggründe für eine Wallfahrt. So trägt die „Wallfahrt der Völker“ nach Mariazell im Rahmen des Mitteleuropäischen Katholikentages dieses Anliegen in sich: Europäische Einigung über wirtschaftliche Interessen hinaus, Suche nach Gemeinsamkeit mit Ländern, deren Geschichte auch von Krieg und ideologischen Differenzen geprägt ist.
Wallfahren findet sich in vielen Religionen: Juden pilgern – wie auch Christen - in das Hl. Land. Zu den Grundpflichten jedes Muslim gehört es, einmal im Leben den großen „Hadsch“ nach Mekka zu machen, Hindus gehen zu den heiligen Flüssen Indiens uvam. Eine Besonderheit in diesem Zusammenhang ist Taizé: Dort treffen sich (vor allem) Jugendliche verschiedener christlicher Kirchen und aus den unterschiedlichsten Ländern zu gemeinsamem Beten und Feiern.
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