Katholische Kirche in Österreich

 
Christen als Vorreiter des neuen Europa

Kardinal Schönborn bei "Europa-Vesper" zum Österreich-Auftakt des Mitteleuropäischen Katholikentages: Europa lässt sich nicht vom Christentum trennen (Kathpress, 10.6.03)

Europa muss seine christlichen Wurzeln neu beleben, betonte Kardinal Christoph Schönborn am Dienstagabend bei der "Europa-Vesper für den Frieden" im Wiener Stephansdom. Die Vesper bildete den österreichischen Auftakt zum Mitteleuropäischen Katholikentag, der gemeinsam von den katholischen Bischofskonferenzen von acht Ländern - Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Slowakei, Tschechische Republik, Polen und Österreich - getragen wird.

Wie Kardinal Schönborn in seiner Predigt sagte, lasse sich Europa nicht vom Christentum trennen - weder in den "lichten" noch in den "dunklen" Stunden seiner Geschichte. Es sei "kein Zufall", dass alle, die an der Wiege der europäischen Idee standen, eine Gemeinsamkeit im christlichen Glauben hatten, die im Entsetzen zweier Weltkriege, in Lagern, Not und Entbehrung gewachsen war. Es auch kein Zufall, dass das Ende der großen Trennung Europas zunächst von entschlossenen Christen in Polen, Rumänien und in der DDR ausgegangen sei.

Wenn Katholiken von Europa redeten, könne das nur "das ganze Europa" sein. Denn für Christen sei Europa allen konfessionellen Zerrissenheiten zum Trotz eine geistige Einheit. Damit seien Christen - über menschliches Versagen und alle Schuld hinweg - kraft ihres Glaubens die "ersten und entschlossensten Pilger des neuen, gemeinsamen Europa".

Wer sein Christ Sein ernst nehme, für den sei "das Überspringen der Mauern zum Du" eine Selbstverständlichkeit. Denn der Christ sehe im Anderen ein "Ebenbild Gottes". Das sei eine Vision, die von keiner irdischen Ideologie jemals eingeholt werden kann, betonte der Kardinal. Es könne niemanden geben, der sich selbst und sein Volk zu "Übermenschen" und andere zu "Untermenschen" stempeln kann.

Die Würde des Menschen hänge also nicht mehr davon ab, ob ihm ein anderer Mensch Würde verleiht oder nicht. Christen müssten deshalb "überall dort aufstehen, wo eine Gesellschaft anfängt, das Maß des
Menschen, seine Größe und seine Würde in Frage zu stellen". Auf die Frage, was Europa im Innersten zusammenhält, könne das Christentum diese Unverrückbarkeit des menschlichen Maßes als Antwort anbieten.

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