Militärdiözese

 
Katholische Aktion will "Europa zu einer Sache des Herzens machen"

Rund um den Katholikentag machen katholische Laienorganisationen Europa zum Thema - Am 1. Mai "größtes Händeschütteln Europas" an den Grenzen mit den neuen EU-Mitgliedsstaaten - Plakatkampagne der Katholischen Aktion mit dem letzten Text Kardinal Königs (23.4.04, Kathpress)

Mit der großen Kampagne "Willkommen - Gemeinsam in Europa" zur EU-Erweiterung will die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) dazu beitragen, "Europa nicht nur zu einer Sache des Kopfes, sondern auch zu einer Sache des Herzens zu machen": Das betonte KAÖ-Geschäftsführer Peter Grubits am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien, bei der Details der Kampagne bekannt gegeben wurden. Die KAÖ sehe sich mit ihrem Europa-Engagement auch dem Erbe Kardinal Franz Königs verpflichtet, dessen letztes - zwei Tage vor seinem Tod - autorisiertes Zitat auf den bei der Kampagne verwendeten Plakaten aufscheint: "Der 1. Mai ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel, ein friedliches Europa in Einheit und Vielfalt. Unser Engagement als Christinnen und Christen auf dem Bauplatz Europa ist gefragt!"

Spektakulärster Bestandteil der Kampagne wird das "größte Händeschütteln Europas" am 1. Mai sein, eine Vielzahl an persönlichen Begegnungen zwischen Christen diesseits und jenseits der 1.259 Kilometer langen Grenze Österreichs mit den neuen EU-Mitgliedsstaaten von Tschechien bis Slowenien. Schauplätze sind grenznahe Orte oder Grenzübergänge, auch prominente Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft werden ein Zeichen des Willkommens setzen: So werden am Radlpass zwischen Slowenien und der Steiermark der Grazer Bischof Egon Kapellari und Landeschefin Waltraud Klasnic dabei sein, in Schachendorf/Bucsu an der ungarisch-burgenländischen Grenze der Eisenstädter Bischof Paul Iby und sein Amtskollege Istvan Konkoly aus Szombathely. Von der Katholischen Aktion oder ihren Gliederungen organisierte Willkommensfeste wird es in allen an die neuen EU-Länder grenzenden Diözesen geben. Von Latschach bei Finkenstein (Kärnten) aus wird eine Menschenkette über die im Zweiten Weltkrieg abgebrannte Annahütte bis nach Mojstrana in Slowenien gebildet; die Hütte soll demnächst wieder aufgebaut werden und eine Lücke im europäischen Weitwanderweg schließen.

25.000 jeweils zweisprachig gehaltene Plakate werden parallel dazu in Österreich und seinen Nachbarländern affichiert, Bildmotiv darauf ist ein Puzzle als Symbol für das zusammenwachsende Europa.

Insbesondere für die Multiplikatoren der Katholischen Aktion, die den größten Laienverband der katholischen Kirche bildet, ist ein "Werkbuch Europa" gedacht. Es ist eine Argumentationshilfe gegenüber bestehenden Ängsten im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung, bietet eine Fülle von Informationen über die näher gerückten Nachbarländer und gibt Tipps für Projekte und Aktionen.

Auch mit einem internationalen Treffen katholischer Laien unmittelbar vor der "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell am 20./21. Mai in Wien soll für eine positive Europa-Stimmung gesorgt werden, sagte Grubits.
Unter dem Motto "Christen auf dem Bauplatz Europa" wurden Referenten wie der Präsident der Kommission der EU-Bischofskonferenzen (ComECE), Bischof Josef Homeyer, der Sekretär des Päpstlichen Laien-Rates, Bischof Josef Clemens, und der EU-Kommissionspräsident Romano Prodi
eingeladen.

Er sei "verbüfft" über die enorme Resonanz, die das Europa-Engagement der KAÖ bei Katholiken in den ehemals kommunistischen Ländern hervorgerufen hat, betonte Grubits. Schon seit der "Wende" von 1989 hätten sich viele Partnerschaften auf pfarrlicher und regionaler Ebene gebildet, die bei den jetzigen Aktionen für eine entsprechend große Resonanz sorgen. Es zeige sich, dass mit vielen persönlichen Begegnungen alte Verletzungen aus der Vergangenheit am besten überwunden werden können, sagte Grubits. Die KAÖ wolle dazu beitragen, dass sich die Christen in Ost und West kennen lernen.

Friesl: Kirche ist in Erweiterungsfrage "Partner"

Christian Friesl, Bereichsleiter GGesellschaftspolitik der Industriellenvereinigung (und früherer KAÖ-Präsident) würdigte die Kirche als "konsequenten Partner" der Industrie und der Wirtschaft in der Erweiterungsfrage. Beide würden sich nicht nur schon lange für ein größeres Europa einsetzen, sondern dies auch schon seit langem in den Alltag umsetzen. Für Österreichs Wirtschaft sei die Erweiterung ein Gewinn, wies Friesl auf verdreifachte Exporte in die Beitrittsländer seit 1989 und auf viele neue Arbeitsplätze in diesem Zeitraum hin. Es gehe aber auch darum, gesellschaftspolitische Chancen wahrzunehmen und ein stabiles Europa in Frieden und Sicherheit zu schaffen. Die EU-Erweiterung wertete Friesl auch als gelungenes Modell für Globalisierung; es zeige sich, "dass die Reichen und Ärmeren erfolgreich einen gemeinsamen Weg gehen können".

Auch ÖGB-Vizepräsident Karl Klein betonte, dass auf Gewerkschaftsebene schon seit Jahren mit Partnern in Ost- und Mitteleuropa kooperiert werde. Österreichs Arbeitnehmer würden sich über die Erweiterung freuen, durch die "Europa bunter, größer und liebenswerter" werde. Ein Gegensteuern der Politik forderte Klein in der Frage der Schwarzarbeit: Jobsuchende aus dem Osten sollten sich hier zu Lande nicht als "neue Arbeitssklaven" verdingen müssen, sondern in ihrer ganzen Würde aufgenommen werden. Zur Schwarzarbeit sagte Klein wörtlich, hier seien "schwarze Schafe schon zu einer ganzen Herde angewachsen". Daher müsse eingeschritten werden. Zugleich meinte der Gewerkschafter, die Angst vor Arbeitslosigkeit werde überzeichnet, viele der bestehenden Probleme in Österreich hätten nichts mit der EU-Erweiterung zu tun.

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