Mitteleuropäischer Katholikentag: Versöhnung ist notwendiger denn je
Kardinal Schönborn betont Aufgabe der Christen, als Brückenbauer zu wirken - Olmützer Erzbischof Graubner: Katholikentag ist große Chance, über die Grenzen hinweg miteinander in Kontakt zu treten und gemeinsame Initiativen zu setzen (Kathpress, 10.6.03)
Die Aufgabe der Christen, als Brückenbauer zu wirken, betonte Kardinal Christoph Schönborn am Dienstag in Wien bei einer Pressekonferenz zum Mitteleuropäischen Katholikentag. "Versöhnung ist notwendiger denn je, seit die Zwänge der Teilung Europas weggefallen sind", so Schönborn wörtlich wenige Stunden vor der Europa-Friedensvesper im Stephansdom, der nationalen Auftaktveranstaltung zum Mitteleuropäischen Katholikentag: "Die Teilung Europas in zwei Hälften ist zwar weggefallen, die Vorhänge in den Herzen sind aber noch bei weitem nicht alle überwunden". Konkret nannte Schönborn das Verhältnis zur Tschechischen Republik und verwies auf die im März erschienene gemeinsame Erklärung der tschechischen und österreichischen Bischöfe "Versöhnte Nachbarschaft im Herzen Europas". Die Bischöfe wollten damit einen Beitrag leisten, damit dieser Heilungsprozess Tiefe gewinnt. Schönborn erinnerte auch an den Heiligen Johannes von Nepomuk, "eine weithin sichtbare Symbolgestalt des Dialogs an den Brücken in beiden Ländern".
Als weitere Hauptaspekte des Katholikentages nannte der Kardinal die Besinnung auf die Tatsache, dass Europa nicht nur an den Handelswegen, sondern vor allem entlang der Pilgerstraßen entstanden ist sowie die Bereitschaft der Katholiken, auf dem Bauplatz Europa mitzuarbeiten.
Der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jan Graubner (Olomouc/Olmütz), bekräftigte bei der Pressekonferenz die Aufgabe der Kirche, sich für die Versöhnung der Menschen und Völker einzusetzen. Der Mitteleuropäische Katholikentag sei eine große Chance, über die Grenzen hinweg miteinander in Kontakt zu treten und gemeinsame Initiativen zu setzen. Der Vorsitzende der tschechischen Bischofskonferenz verwies auf die tschechische Nationalwallfahrt nach Velehrad am 4./5. Juli, zu der nicht nur die Bischöfe und Gläubigen der acht Teilnehmerländer des Katholikentags erwartet würden, sondern auch die Außenminister und Botschafter der acht am Katholikentag teilnehmenden Länder.
Freude über EU-Referendum
Der Warschauer Weihbischof Piotr Jarecki hob die große Zuversicht hervor, mit dem die polnische Kirche dem Projekt "Mitteleuropäischer Katholikentag" entgegen sehe; zugleich zeigte er sich sehr erfreut über den positiven Ausgang des EU-Referendums in Polen am Pfingstwochenende. In zwei Hirtenbriefen hätten die Bischöfe die Gläubigen auf das Referendum vorbereitet und dabei vor allem auch auf die Sichtweise des Papstes hingewiesen, der sich klar für einen Beitritt Polens zur EU ausgesprochen hatte. Letztlich habe man die Entscheidung aber dem Gewissen jedes einzelnen überlassen, so Jarecki. Man verstehe von Seiten der Kirche sehr gut die Befürchtungen vieler Polen, die mit einem Beitritt zur EU verbunden sind, betonte Jarecki. Gerade deshalb sei man aber auch besonders bemüht, die Menschen zu ermutigen, sich kreativ den neuen Herausforderungen zu stellen und nicht in Angst und Pessimismus zu verharren. Es gelte, im christlichen Sinne an einem neuen Europa mitzuwirken und dazu werde der Mitteleuropäische Katholikentag einen wertvollen Beitrag leisten.
Offen für die anderen Kirchen
Zur Frage nach dem ökumenischen Aspekt des Katholikentages sagte Kardinal Schönborn, das mitteleuropäische Christentreffen sei deshalb nicht ökumenisch getragen, weil die ökumenische Situation in den einzelnen Ländern zu unterschiedlich sei. Die Einbindung aller christlichen Kirchen hätte die organisatorischen Kräfte überschritten. Selbstverständlich seien die anderen christlichen Kirchen aber zu allen Veranstaltungen eingeladen und "sehr willkommen".
Der Wiener Erzbischof betonte weiters, dass Bundespräsident Thomas Klestil die Präsidenten der sieben anderen Teilnehmerstaaten zur Wallfahrt der Völker nach Mariazell im Mai 2004 eingeladen und auch schon durchwegs Zusagen erhalten habe. Die von den Bischöfen ausgesprochene Einladung an den Papst sei noch unbeantwortet, "aber man hat uns signalisiert, dass im Kalender des Papstes dieses Datum noch frei ist".
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