Busek unterstreicht Bedeutung des Katholikentags für Europa
Werte wie der Schutz des Lebens müssen in der europäischen Gemeinschaft selbstverständlich sein (Kathpress, 2.2.04)
Die Bedeutung des Mitteleuropäischen Katholikentages für den europäischen Einigungsprozess hat EU-Balkankoordinator Erhard Busek bei einer Tagung der Katholischen Aktion im Bildungshaus Graz-Mariatrost unterstrichen. Noch sei das Bewusstsein bei den Menschen gering, was ein neues und vereintes Europa tatsächlich bedeute, so Busek. Das auf demokratischem Weg entstandene "neue Europa" brauche Zeit und erfordere viele Lernprozesse. Es fehle die Kenntnis der historischen Zusammenhänge, auch die Übrwindung der Ost-West-Trennung habe sich in den Köpfen noch nicht ganz vollzogen. Hier liege eine wichtige Aufgabe des Mitteleuropäische Katholikentages, der viel zur Versöhnung beitragen könne, so Busek. Während die Kultur längst europäisch sei, wie Busek an den Beispielen Salzburger Festspiele und Kulturhauptstadt Graz 2003 belegte, und auch im Bereich der Wissenschaft das gemeinsame Europa bereits stattfinde, hinke die Politik in diesem Entwicklungsprozess nach. Hier sei ein gewisser "nationaler Egoismus" gegeben, der besonders auch im Bildungsbereich zum Tragen komme.
Zur Frage, ob die EU eine "reine Zweckgemeinschaft" oder auch "Wertegemeinschaft" sein soll, stellte Busek klar: Werte wie der Schutz des Lebens oder die Achtung der Würde jedes Menschen müssten in der europäischen Gemeinschaft selbstverständlich sein. Auch hier erhoffe er sich eine positive Wirkung des Katholikentages.
Die Publizistin Barbara Coudenhove-Kalergi ging auf die vergangenen und gegenwärtigen Konflikte zwischen Tschechien und Österreich ein. Die völlig verschiedenartige Wahrnehmung von Problemen könne dabei nur durch kultiviertes Miteinander, durch gegenseitiges Zuhören und den Versuch, den jeweils anderen Standpunkt zu verstehen, relativiert werden. Mit erhobenem Zeigefinger eingeforderte Schuldbekenntnisse würden die Aufarbeitung eher erschweren, so die langjährige Leiterin der Osteuropa-Redaktion im ORF. Hoffnungsträgerin sei vor allem die junge Generation, die auf beiden Seiten Begegnungen suche, Kontakte knüpfe und vernünftiger reagiere als die Politik und auf lokaler Ebene viel zum gegenseitigen Kennenlernen, zum Verständnis und zur Klärung der historischen Zusammenhänge beitrage.
Der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski kritisierte, dass in Europa ein strategisches Langzeitdenken fehle und Reaktionen auf konkrete Bedrohungssituationen noch weitgehend offen seien. Die Zukunft der europäischen Sicherheit sah er dabei in der engen Zusammenarbeit Frankreichs, Großbritanniens, Deutschlands und Polens. Im Hinblick auf die Kritik am Einsatz polnischer Truppen in der Irak-Krise habe er die europäische Solidarität vermisst, so Bartoszewski. Polen suche beste Beziehungen zu Europas Mächten, sei aber auch an den USA als Verbündetem interessiert. Sowohl die transatlantische als auch die europäische Gemeinschaft müssten sachlich fundierte Meinungsverschiedenheiten vertragen, um einen breiten demokratischen Kompromiss zu erreichen.
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