Kardinal Schönborn ruft zum Abbau der nationalen Vorurteile auf
Vielsprachige Messfeier zum "Sonntag der Völker" im Wiener Stephansdom - Versöhnungsgedanke des Mitteleuropäischen Katholikentags wurde musikalisch zum Ausdruck gebracht. (Kathpress,28.9.03)
Den Abbau aller Vorurteile forderte Kardinal Christoph Schönborn im Wiener Stephansdom beim festlichen Gottesdienst zum "Sonntag der Völker". Die "Verführung zum Hass" beginne schon mit dem "Nähren von Vorurteilen", betonte der Wiener Erzbischof und erinnerte daran, wie viele Kriege in Europa durch nationale Vorurteile ausgelöst worden seien. Es gelte, diese Vorurteile im eigenen Herzen zu bekämpfen und keinesfalls an die nächste Generation weiterzugeben. Nur so könne im neuen Europa ein friedliches Miteinander entstehen.
Kardinal Schönborn unterstrich, dass die Jesus-Worte im Evangelium vom Sonntag einerseits ein Aufruf zur Toleranz sind, andererseits aber den entschiedenen Kampf gegen das Böse im eigenen Herzen fordern. Jesus wolle keine "künstlichen Grenzen", er sei dort, "wo Menschen Gutes tun". Auch heute gebe es auf diese Weise viele Menschen, die Jesus nahe sind, obwohl sie nicht zur Kirche gehören.
Zur Messfeier im bis auf den letzten Platz gefüllten Stephansdom waren Abordnungen aus allen elf Sprachgemeinden mit ihren Seelsorgern gekommen. Kardinal Schönborn würdigte die "so lebendigen" anderssprachigen Gemeinden in Wien, die den Katholiken vor Augen führten, dass "Kirche immer Weltkirche ist". Heuer sei der Gottesdienst zum "Sonntag der Völker" ein "besonders bewegender Moment", weil er ein wichtiger Hinweis auf den Mitteleuropäischen Katholikentag sei. Im Zeichen des "Jahres der Bibel" überbrachten vor der Proklamation der Lesungen aus der Heiligen Schrift Repräsentanten der elf Sprachgemeinden Bibelausgaben in ihrer jeweiligen Sprache an Kardinal Schönborn. Derzeit gibt es in Wien albanische, italienische, kroatische, slowenische, polnische, tschechische, ungarische und rumänische Sprachgemeinden; dazu kommen die nationsübergreifenden anglophonen, frankophonen und hispanophonen Gemeinden.
Musikalisch wurde der Gottesdienst mit der "Missa populorum" von August Ipavec gestaltet; Ipavec ist ein in Wien wirkender slowenischer Priester und Künstler. Bei der Aufführung wirkten Chöre aus Tschechien, Italien und Österreich und Mitglieder der Slowenischen Philharmonie zusammen. Ingrid Loub, die Vorsitzende der Initiative "Musik verbindet Völker", dankte zum Abschluss des Gottesdienstes Kardinal Schönborn für den Impuls des Mitteleuropäischen Katholikentages. Die Musiker hätten ein Jahr lang geprobt; in dieser gemeinsamen Bemühung habe der Versöhnungsgedanke lebendige Gestalt angenommen.
[Druckansicht]
|