Diözese St. Pölten

 
Warschau: Katholikentags-Symposion über den ländlichen Raum

Experten analysieren vor dem Hintergrund der großen sozialen und demographischen Veränderungen in der "alten" und "neuen" EU die Situation (Kathpress, 13.5.04)

Die Probleme der Landwirtschaft und des ländlichen Raums stehen im Mittelpunkt des letzten großen
internationalen Symposions des Mitteleuropäischen Katholikentags, das am Donnerstag in Warschau eröffnet wird. Unter den Referenten sind der Kärntner Bischof Alois Schwarz, der Warschauer Weihbischof Piotr Jarecki, der im Kabinett von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi für Landwirtschaft zuständige Experte Rudolf Strohmeier und der Ulmer Agrarökonom Prof. Franz-Josef Rademacher. Die Bischöfe Schwarz und Jarecki - beide Bereichssprecher in ihren Bischofskonferenzen für die ländliche Bevölkerung - zeichnen vor dem Hintergrund der großen sozialen und demographischen Veränderungen in der "alten" und "neuen" EU ein Bild von der Landseelsorge der künftigen Jahrzehnte. Bischof Schwarz wird mit den Teilnehmern des Symposions im Marienheiligtum
Sierpca einen Gottesdienst feiern.

Die Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs ist in Warschau durch den steirischen Kammerpräsidenten Gerhard Wlodkovski vertreten, der sich in seinem Referat kritisch mit der Liberalisierung des Agrarhandels auseinander setzen will. Das Abschlussreferat am Samstag hält der frühere Vizekanzler Josef Riegler zum Thema "Ökosozialer Weg". Die Tagung schließt am Sonntag mit einer Festmesse, die Kardinal-Primas Jozef Glemp in der Warschauer Heiligkreuz-Basilika hält.

In Österreich haben sich die Kirchen im Ökumenischen Sozialwort auch mit den oft unvereinbar scheinenden Forderungen nach globaler Gerechtigkeit einerseits und Schutz der kleinräumigen bäuerlichen Strukturen Europas andererseits auseinander gesetzt. Es stelle sich die Frage, "wie die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft gesichert werden kann, in vorsichtiger Abwägung mit den Interessen der Länder des Südens", so das Sozialwort.

Wörtlich heißt es weiter: "Es genügt nicht, wenn einige wenige Großbetriebe die Nahrungsmittelproduktion sichern. Ohne bäuerliche Betriebe gibt es keine Kulturlandschaft. Darunter würde nicht nur der Fremdenverkehr leiden, sondern auch Handel und Gewerbe, und nicht zuletzt die Bevölkerung selbst. Ökosoziale Agrarpolitik bedeutet die Gleichwertigkeit wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Ziele in der Landwirtschaft. (...) In einigen Regionen ist eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung gelungen, indem regionale Stärken in sinnvoller Symbiose und Vernetzung für eine eigenständige Regionalentwicklung genutzt wurden. Solche Projekte werden auch von der Europäischen Union unterstützt. Manche der ökologisch erzeugten Produkte konnten mit eigener Marke auf den Markt vordringen und dort mit dem Produkt auch ihre Region bekannt machen. (...) Ökologische Landwirtschaft ist mit intensivem Arbeitseinsatz verbunden, der der Qualität der Lebensmittel zugute kommt. Die Frage ist, inwieweit damit ein angemessener Preis zu erzielen ist, der es den Bauern ermöglicht, von den Erträgen ihrer Arbeit zu leben". Eine Wiederbelebung des ländlichen Raumes in Europa könne nicht nur von der Politik allein geleistet werden; auch die Kirchen hätten hier eine wichtige Rolle.

"Unerlässliche Veränderungen"

Als wichtigen Beitrag für die Restruktuierung der polnischen Landwirtschaft bezeichnete Weihbischof Jarecki bei einer Pressekonferenz in Warschau das Katholikentags-Symposion. Die Programme für die Landwirtschaft müssten so konzipiert werden, dass die unerlässlichen Veränderungen in diesem Bereich die Menschen nicht verletzen, sagte Bischof Jarecki. Die Umstrukturierung der Landwirtschaft in Polen sollte so rasch wie möglich beginnen, weil so viele Arbeitsplätze in diesem Sektor nicht zu erhalten ist.

Das Thema sei schwierig, aber es werde beim Katholikentags-Symposion von erstklassigen Fachleuten behandelt, betonte Jarecki. Auch mehrere Professoren der Warschauer Landwirtschaftsuniversität würden mitwirken.

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