Neuer Pilgerweg verbindet mitteleuropäische Marienheiligtümer
Internationaler Weitwanderweg I 23 führt von Tschenstochau in Polen über Levoca in der Slowakei nach Mariazell (Kathpress, 19.2.04)
Zwei der zentralen Anliegen des Mitteleuropäischen Katholikentags, die Versöhnung über Grenzen hinweg sowie das Wiederentdecken der spirituellen Quellorte Europas, können jetzt auch "erwandert" werden. Robert Wurst, dem Ehrenpräsidenten der Europäischen Wandervereinigung, ist es gelungen, diesen Pilgerweg in das offizielle Weitwanderweg-Verzeichnis aufnehmen zu lassen. Der internationale Weitwanderweg I 23 führt von Tschenstochau (Czestochowa) in Polen über Levoca (Leutschau) in der Slowakei nach Mariazell. Dieser Wander- bzw. Pilgerweg verbindet drei der bedeutendsten mitteleuropäischen Marienwallfahrtsorte, ist knapp 1.300 Kilometer lang und kann in sieben bis acht Wochen zurückgelegt werden.
Ausgangspunkt ist der polnische Wallfahrtsort Tschenstochau, von wo der Weg über Krakau in südlicher Richtung zur slowakischen Grenze im Dunajec-Flusstal führt. Der slowakische Teil des Weges führt von der Grenze nach Levoca und über die Niedere Tatra, die Vatra sowie die Weißen und Kleinen Karpaten nach Preßburg (Bratislava). In Österreich folgt der Weg der Donau entlang nach Wien und von hier aus auf der traditionellen "Via Sacra" durch die niederösterreichischen Voralpen bis nach Mariazell.
Der pensionierte Wasserrechtler und passionierte Wanderer Wurst weist gerade zum Mitteleuropäischen Katholikentag auf die Aktualität des von ihm ins Leben gerufenen Wanderweges hin. Dieser sei eine Möglichkeit, die "Anliegen des Katholikentages auch in die Praxis umzusetzen", so Wurst im Gespräch mit "Kathpress". Wurst: "Viele Wege führen zu Gott, einer führt über die Berge". Den österreichischen Streckenteil konnte Wurst bereits mit entsprechenden Hinweistafeln beschildern, wobei ihn die Erzdiözese Wien finanziell unterstützte. Sein nächstes Projekt ist ein Wanderführer, der die gesamte Route detailliert beschreibt. Dazu sucht er noch Mitarbeiter, die die Strecke begehen und alle für Wanderer wichtigen Informationen zusammenstellen.
Gnadenbild der "Schwarzen Madonna"
Der Ausgangspunkt des internationalen Pilgerwegs im polnischen Tschenstochau zählt zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Europas. Seine Geschichte ist mit dem 1382 gegründeten Paulinerkloster auf der Jasna Gora (Weißen Berg) aufs Engste verbunden. Jasna Gora gilt als geistliche Hauptstadt des polnischen Katholizismus. Die Klosterbasilika, die im 15. Jahrhundert erbaut wurde und sich jetzt in ihrer Barockform aus dem 17. Jahrhundert präsentiert, birgt in ihrem Innern das weithin berühmte Gnadenbild der Schwarzen Madonna, das Fürst Wladyslaw von Opole 1384 dem Kloster geschenkt hatte. Die Ikone ist alljährlich Ziel von Millionen Gläubigen.
Das in der Ostslowakei gelegene Levoca ist neben dem Marienheiligtum Sastin im Westen des Landes das bedeutendste Wallfahrtszentrum der Slowakei. Die Marienwallfahrt von Levoca geht auf die Zeit des
ungarischen Königs Bela IV. (1235-1270) zurück. Nach der Niederlage des Königs gegen die mongolischen Heere wurde das Land verwüstet und entvölkert; bis zu 50 Prozent der Bewohner dürften den Tod gefunden haben. Die Menschen, die sich in die Wälder geflüchtet hatten, schmückten Bäume mit Marienbildern. Auf diese Weise entstand der Marienort Levoca. Auch in der kommunistischen Zeit kamen - insbesondere in den achtziger Jahren - oft bis zu 250.000 Gläubige im Juli nach Levoca. Die kommunistischen Behörden versuchten durch administrative Schikanen und Verkehrsbehinderungen den Pilgerstrom einzudämmen, blieben aber erfolglos. 1991 fand in Levoca die größte Wallfahrt in der Geschichte der Slowakei statt: Nahezu eine halbe Million Menschen kam.
Die überragende Bedeutung Mariazells als Wallfahrtsort im Herzen Europas brauche man nicht extra betonen, so Wurst. Nicht nur der internationale Pilgerweg, auch zahlreiche andere Weitwanderwege würden in das steirische Marienheiligtum münden. Und der Ehrenpräsident der Europäischen Wandervereinigung denkt auch schon einen Schritt weiter. Ab Mariazell ließen sich für unentwegte Fernwanderer auch noch weitere Pilgerrouten, etwa nach Assisi, Rom oder Medjugorje überdenken.
[Druckansicht]
|