Globalisierung: "Heimat darf den Menschen nicht weggenommen werden"
Polnische Botschafterin Lipowicz betont bei Symposion zum Mitteleuropäischen Katholikentag die Sehnsucht des Menschen nach Heimat und plädiert für "Einheit in der Vielfalt" (Kathpress, 1.12.03)
Die "Sehnsucht des Menschen nach Heimat als natürlichem Gegenpol zur Globalisierung" hat Prof. Irena Lipowicz, Botschafterin der Republik Polen in Österreich, bei einem Symposion im oberösterreichischen Stift St. Florian verteidigt. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Heimat den Menschen weggenommen wird", so Lipowicz wörtlich. Angesichts zunehmender Ängste sehnten sich die Menschen nach Schutz und Geborgenheit. Als Beispiel nannte Lipowicz auch die Angst vor dem "gläsernen Menschen", der gegenüber Staat, Verwaltung und Wirtschaft nichts verbergen kann.
Ein Schlüsselbegriff für die Integration anderer Kulturen sei die "Einheit in der Vielfalt", die es zu pflegen gelte. Eine Demütigung der eigenen Kultur sei hingegen eine Quelle des Terrorismus, so Lipowicz bei dem Symposion unter dem Titel "Spannungsfeld zwischen Globalisierung und Heimat".
Auch für den Wirtschaftsgeographen Prof. Andreas Nowy ist die "Verteidigung von Heimat" ein Gegenkonzept gegen das Ausgeliefertsein. Die Heimat gewinne in ökonomischen und politischen Krisenzeiten an Bedeutung. "Heimat" sei jedoch nichts unveränderliches und "Globalisierung" an sich ein jahrtausendealter Prozess. Die Phase der Globalisierungseuphorie habe aber mit dem 11. September 2001 ein Ende gefunden. Das Aufkommen von Fundamentalismen erklärte Nowy als Folge der vielen Globalisierungsverlierer.
Kirche und Gesellschaft im Diskurs
Fünf österreichische Klöster - Herzogenburg, St. Florian, Wilten, Admont und Melk - laden im Rahmen des Mitteleuropäischen Katholikentags zu Vorträgen und Diskussionen unter dem Titel "Entwurf Zukunft: Kirche und Gesellschaft im Diskurs" ein. Das fünfteilige Symposium wurde von der Superiorenkonferenz gemeinsam mit dem ORF und der Wochenzeitung "Die Furche" initiiert. Den Auftakt machte im Oktober Stift Herzogenburg, wo über den "Entwurf: Zivilgesellschaft - Ist der Staat am Ende?" diskutiert wurde.
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