Papstlegat Sodano fordert in Wien massive Hilfe für Menschen im Irak
Die europäische Situation nach der EU-Erweiterung, der Katholikentag und die Lage im Nahen Osten standen im Mittelpunkt einer Unterredung zwischen Papstlegat Kardinal Angelo Sodano und Bundespräsident Thomas Klestil Freitag vormittag in der Wiener Hofburg. (Kathpress, 21.5.04)
Im anschließenden Pressefoyer ging der Kardinalstaatssekretär, der Papst Johannes Paul II. am Samstag in Mariazell vertritt, auch auf Fragen zur Reiseabsage ein. Johannes Paul II. habe die Reise nach Mariazell aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen, so Sodano: "Seine Gesundheit ist angeschlagen, dazu kommt das Alter, er ist 84 Jahre alt".
Befragt zum Irak sagte Sodano, der Heilige Stuhl sei "immer gegen Kriege", weil durch Kriege Probleme nie gelöst, sondern immer nur verschärft würden. Doch es habe jetzt keinen Sinn mehr, zurückzuschauen. So habe etwa der Chaldäische Patriarch in Bagdad, Emmanuel III. Delly, betont, es müsse jetzt massiv Hilfe durch die internationale Gemeinschaft erfolgen, um das Leid zu mildern. Dem schließe er sich völlig an, betonte der Papstlegat beim Katholikentag.
Zum Mitteleuropäischen Katholikentag sagte Sodano, er sei eine "große, lobenswerte Initiative" Österreichs. Die große Wallfahrt nach Mariazell sei ein "Moment der Gnade" für Mitteleuropa. Als Legat des Papstes sei es für ihn eine große Freude, teilzunehmen.
Bundespräsident Klestil bedauerte, dass der Papst nicht selbst nach Mariazell kommen konnte. Kardinalstaatssekretär Sodano, der als persönlicher Legat Johannes Pauls II. gekommen sei, werde aber "hocherfreut" empfangen. "Dieser Katholikentag ist für uns nicht nur ein gemeinsames Fest des Glaubens, sondern gleichsam ein kirchlicher Willkommensgruß an die neuen Mitglieder der Europäischen Union. Wie Sie wissen, hat der Heilige Stuhl die EU-Erweiterung von Anfang an gefördert, und die Verdienste des Heiligen Vaters beim Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Mittel- und Osteuropa bleiben unvergessen", so Klestil.
Der Mitteleuropäische Katholikentag habe auch eine nicht zu unterschätzende politisch-psychologische Bedeutung für die Nationen Mitteleuropas. Er sei Symbol dafür, dass im "neuen Europa" das Miteinander stärker als alle Konflikte der Vergangenheit sei, sagte der Bundespräsident. Er erinnerte, dass es gerade die Kirchen seien, die "mit ihrer spirituellen Kraft wesentlich zur Bewältigung dieser historischen Lasten beitragen" könnten.
Zum Irak sagte Kleistil, man sei sich mit dem Vatikan einig, dass die für die Verletzungen des humanitären Völkerrechts im Irak Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Des weiteren hoffe der Vatikan, vertreten durch Papstlegat Sodano, ebenso wie er, Klestil, "dass die Terroristen, die auf abscheulich brutale Weise einen unschuldigen amerikanischen Bürger ermordet hätten, der gerechten Strafe zugeführt werden" könnten.
Besorgt zeigte sich das Staatsoberhaupt, dass die eskalierten Konflikte im Nahen Osten in eine falsche Schablone gepresst würden: "Wir müssen dem in islamischen Ländern verbreiteten Eindruck entgegentreten, dass diese Konflikte letztlich eine Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam sind". In diesem Zusammenhang habe er Kardinal Sodano gebeten, dem Papst "unseren besonderen Dank für seine unermüdlichen Bemühungen zu bestellen, im Verhältnis zum Islam ein Klima des Dialogs zu erhalten". Auch Österreich bemühe sich seit längerem um einen Dialog der Kulturen und Zivilisationen. Dies sei angesichts der sich verschärfenden Konflikte im Nahen Osten heute "wichtiger denn je", so Klestil.
Im Anschluss an das Pressefoyer ging der Kardinalstaatssekretär in Begleitung des Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Georg Zur, über den Ballhausplatz ins Bundeskanzleramt, wo er von
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel empfangen wurde.
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