Militärdiözese

 
Bischof Küng: Glaube soll verbindend für Europa wirken

Festgottesdienst in der Basilika von Rankweil zum Kroatien-Sonntag im Rahmen des Mitteleuropäischen Katholikentags (Kathpress, 16.2.04)

Der Kroatien-Sonntag im Rahmen des Mitteleuropäischen Katholikentags stand am 15. Februar im Mittelpunkt eines Festgottesdienstes in der Vorarlberger Basilika Rankweil. Zelebranten des Gottesdienstes waren der Feldkircher Diözesanbischof Klaus Küng und der Bischof der kroatischen Diözese Gospic-Senj, Mile Bogovic. Der Gottesdienst stand unter dem Motto "Glaubend daheim in Europa". Küng äußerte anlässlich des Kroatien-Sonntags die Hoffnung, dass die Kraft des Glaubens grenzüberschreitend und verbindend für das Leben in Europa fruchtbar wird. Der Bischof erinnerte an den Feldkircher Diözesanpatron, den Heiligen Gebhard, der zu seiner Zeit ein bedeutsamer Brückenbauer im Bodenseeraum gewesen sei. Der Erlös der Agape nach dem Festgottesdienst kam der Armenküche der Mutter Teresa-Schwestern in Zagreb zugute.

In der Diözese Feldkirch leben derzeit rund 700 kroatische Familien. Jede einzelne bekommt alljährlich Besuch von ihrem Seelsorger, Jura Kostelac, der für die kroatischen Katholiken in Vorarlberg zuständig ist. Zwischen Weihnachten und Ostern ist der Seelsorger unterwegs, um rund 700 mal zwischen Bodensee und Arlberg an die Türen zu klopfen, um mit "seinen" Leuten zu sprechen. Kostelac versieht diese Aufgabe nunmehr seit 17 Jahren.

Die Lage der kroatischen Mitbewohner in Vorarlberg sieht der Seelsorger äußerlich zufrieden stellend. Doch "innerlich fühlen sich viele doch hin- und hergerissen zwischen ihrer ursprünglichen Heimat Kroatien oder Bosnien-Hercegovina und der neuen Heimat hier im Ländle". Viele Kroaten in Vorarlberg wollten vor rund 30 Jahren der kommunistischen Misere im ehemaligen Jugoslawien entfliehen und im Westen Geld verdienen. Mit dem Ersparten wollten sich die einen daheim eine eigene Existenz aufbauen, andere sich später in ihrer Heimat zur Ruhe setzen. "Sie haben schöne Häuser gebaut daheim, sie könnten zurück. Doch was sollen die Alten zuhause, wenn ihre Enkel in Vorarlberg leben?", so Kostelac.

Nach dem Säurebad des Totalitarismus

Im Begleitheft zum Mitteleuropäischen Katholikentag wird darauf verwiesen, dass die katholische Kirche in Kroatien im 20. Jahrhundert schwer unter der Verfolgung durch den Totalitarismus gelitten hat.
Männer und Frauen hätten für ihren Glauben ihr Leben hingegeben, ihr Opfer und Zeugnis sei in der Person des selig gesprochenen Kardinals Aloysius Stepinac gebündelt. Stepinac sei treu in seiner Hoffnung gewesen und habe für seine Feinde auch dann noch gebetet, als ihn das kommunistische Gericht im Jahr 1946 in einem propagandistischen Schauprozess verurteilte. Das Schicksal ds kroatischen Kardinals ist auch mit Österreich verknüpft: Kardinal Franz König war auf der Fahrt zum Begräbnis von Stepinac 1960 verunglückt; sein Krankenhausaufenthalt im kroatischen Varazdin war für ihn ein wesentlicher Impuls für seine "Ost-Aktivitäten".

Im vergangenen Jahrzehnt sei die Kirche in Kroatien auch vom Krieg heimgesucht gewesen, wird im Begleitheft erinnert. In diesen Schreckensjahren sei es gerade der christliche Glaube gewesen, der die Menschen "zum Guten bis zur Selbsthingabe ermutigt und Verzeihung gegenüber den Feinden ermöglicht" habe. Nach den Schrecken des Krieges, der "eine Unzahl noch nicht geheilter Wunden an Leib und Seele des Volkes geschlagen" habe, stehe die Kirche in Kroatien heute vor der Aufgabe, ihre Sendung in einer demokratischen Gesellschaft zu erfüllen, in der auf Grund sozialer Instabilität und hoher Arbeitslosigkeit viele Menschen in ihren Erwartungen und Hoffnungen "schwer enttäuscht worden sind".

Die katholische Kirche in Kroatien bemühe sich aus dem Geist des Evangeliums um die Menschen: in Schulen und anderen Bildungsstätten, in der karitativen Sorge für die Ärmsten, im Kampf für die Rechte der Einzelnen und der Gruppen, in der Obsorge für die Familien und besonders für die Kinder, im Einsatz für den Frieden und die Versöhnung. Ein besonderes Anliegen sei der katholischen Kirche in Kroatien die Ökumene. Sie wolle auch für jene da sein, die "auf der Suche sind", und für alle, die ihre Zukunft "aus dem Geist des Glaubens" gestalten wollen.

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