Erzdiözese Salzburg

 
Bischöfe für "neues Miteinander" zwischen Wien und Prag

Kardinal Schönborn und Erzbischof Graubner unterzeichneten gemeinsame Erklärung der beiden Bischofskonferenzen "Versöhnte Nachbarschaft im Herzen Europas" - Christen sollen den "Weg der Versöhnung" zur Überwindung der Folgen des Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts gehen (Kathpress, 21.3.03)

Für ein "neues Miteinander" zwischen Österreich und der Tschechischen Republik, das der "gemeinsamen Überwindung des verhängnisvollen Gegeneinanders" dienen soll, plädieren die katholischen Bischofskonferenzen beider Länder. Eine gemeinsame Erklärung der beiden Episkopate mit dem Titel "Versöhnte Nachbarschaft im Herzen Europas" wurde am Freitag von Kardinal Christoph Schönborn und dem Vorsitzenden des tschechischen Episkopats, Erzbischof Jan Graubner, in Anwesenheit von Kardinal Miroslav Vlk im Prager Erzbischöflichen Palais unterzeichnet.

In der Erklärung wird an die Gläubigen beider Ländern appelliert, den "Weg der Versöhnung" mitzugehen. Man könne und dürfe nicht vergessen, dass viele Menschen in beiden Ländern einander in der Vergangenheit immer wieder Unrecht und Böses zugefügt haben. Die Vergebung von Schuld gehöre jedoch zu den grundlegenden Werten des Christentums. Im Dienst einer tragfähigen Nachbarschaft sei dies auch notwendig. Hilfreich sei dabei eine "ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen wie mit der gemeinsamen Vergangenheit und Geschichte".

Wie in der Erklärung betont wird, erlebten die Völker Europas heute trotz Aufhebung von Trennlinien und Staatsgrenzen eine "andere Art von Grenzen", die der Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts zwischen ihnen gezogen habe. Die Geschichte der österreichisch-tschechischen Nachbarschaft sei zwar geprägt durch Gemeinsamkeiten in Kunst und Kultur wie auch durch die Fülle persönlicher Beziehungen zwischen den Menschen beider Länder. Leider gebe es aber auch - so die Bischöfe - "Ressentiments, Geringschätzung und Vorurteile". Das gemeinsame Europa von morgen brauche in den Beziehungen zwischen Österreich und der Tschechischen Republik in vielen Bereichen einen "entschlossenen Neubeginn".

Die Bischöfe beider Länder betonen, dass es bei der Einigung Europas nicht um die "Einebnung der bunten nationalen Vielfalt" geht. Gerade diese Buntheit habe dem europäischen Kontinent durch viele Jahrhunderte die Fähigkeit gegeben, seine Begabungen in gegenseitiger friedlicher Herausforderung zu entwickeln. Die heutige Generation sei aufgerufen, statt Trennlinien wieder "Begegnungsräume" zu schaffen, damit "die von Gott geschenkten Begangen und Charismen" der Völker "von neuem aufblühen und in friedlicher Zusammenarbeit fruchtbar gemacht werden können".

In ihrer Erklärung erinnern die österreichischen und tschechischen Bischöfe daran, dass Europa wesentliche Impulse aus den religiösen Traditionen erhalten habe. Daraus ergebe sich für die Gläubigen die Verantwortung, an der "Gesundung Europas" mitzuwirken und die christlichen Werte in Europa einzubringen.

"Bittere Erfahrung des Verlustes der Heimat"

Im gemeinsamen Vorwort zu der österreichisch-tschechischen Erklärung erinnern Kardinal Schönborn und Erzbischof Graubner daran, dass das 20. Jahrhundert "in unseren Ländern vielen Menschen die bittere Erfahrung des Verlustes der Heimat gebracht hat". Für viele sei das erlittene Unrecht noch immer schmerzlich, schreiben Schönborn und Graubner. Christen lebten aber in der Hoffnung, "dass die versöhnende Kraft Jesu Christi die Wunden der Vergangenheit heilen und eine bessere Zukunft eröffnen kann". Ein "neues Bewusstsein für eine versöhnte Nachbarschaft in Frieden" werde nur möglich sein, wenn "die großen Gemeinsamkeiten" ebenso gesehen werden wie die "leidvollen Momente der Vergangenheit".

In der Überzeugung, dass das Bemühen um eine gute Nachbarschaft in Mitteleuropa heute eine der "zentralen Aufgaben" der Kirche ist, verweisen die beiden Episkopats-Vorsitzenden auch auf den
"Mitteleuropäischen Katholikentag" 2003/2004. Man wolle damit einen lebendigen Beitrag zu einem - in neuer Gemeinschaft entstehenden -Europa leisten. Die Bischöfe in Österreich und in der Tschechischen Republik hätten den Hinweis Papst Johannes Pauls II. auf die "Brückenfunktion" beider Länder im Herzen Europas als Impuls zur vorliegenden Erklärung genommen.

Der Heilige Johannes von Nepomuk sei eine weithin sichtbare Symbolgestalt an den Brücken in beiden Ländern, erinnern Schönborn und Graubner: "Er soll uns entsprechend den Worten Johannes Pauls II. an unsere Aufgabe als 'Brückenbauer' erinnern".

Die gemeinsame Erklärung finden Sie hier zum nachlesen.

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