Katholische Kirche in Österreich

 
"An den Kirchen vorbei kann man kein besseres Europa bauen"

Bischof Kapellari tritt für stärkere Beteiligung der Kirchen am europäischen Einigungsprozess ein (Kathpress)

Wien-Graz, 1.4.02 (KAP) Für eine stärkere Beteiligung der Kirchen am europäischen Einigungsprozess hat der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari - zugleich auch Europa-Referent der Österreichischen Bischofskonferenz - in einem "Kurier"-Interview plädiert. Kapellari bedauerte, dass es Kräfte gebe, "die glauben, man müsse Religion privatisieren". Er sei gegen die "islamische Übereinstimmung von Zivilgesellschaft und Religion", aber auch gegen eine "Trennung von Kirche und Staat im Sinne von Beziehungslosigkeit wie in Frankreich", betonte der Grazer Bischof. Wörtlich meinte Kapellari: "Ich trete für eine vielfältige, faire Kooperation von Kirche, Regierung und Zivilgesellschaft ein". Es gehe dabei um keine "Bevormundung", keine "Deckungsgleichheit". Den laizistischen Ansatz, die Religion ins Private zurückzudrängen, um ein Maximum an Frieden in einer pluralistischen Gesellschaft zu erreichen, halte er für eine "Illusion" und eine "falsche Diagnose". Wörtlich meinte der steirische Bischof: "Wir als Kirche glauben, dass man an den Kirchen vorbei kein besseres Europa bauen kann".

Kapellari erinnerte im "Kurier"-Interview daran, dass auch Papst Johannes Paul II. die Ausgrenzung von Kirchenvertretern vom neuen EU-Konvent bedauert habe. Es gebe Vorurteile laizistischer Kreise, die Kirche als "anti-aufklärerische Bewegung" sehen, so der Grazer Bischof, der zugleich dafür eintrat, "unerschrocken" die Festschreibung Europas als christliche Wertegemeinschaft in den EU-Verträgen zu fordern. Ob es erfüllt werde, sei eine andere Sache. Kapellari: "Wenn es nicht im EU-Vertrag steht, sind wir trotzdem da. Europa muss sich des Christentums nicht schämen".

Vom "Mitteleuropäischen Katholikentag" 2003/2004 erwarte er "vermehrte Schubkraft für eine zunehmende Integration Europas", nicht nur "als Wirtschafts-, sondern als Wertegemeinschaft". Die teilnehmenden Länder hätten eine große gemeinsame Kultur- und Kirchengeschichte. Die stärkste Verbindung zwischen Zivilgesellschaft, Kirche und staatlichen Institutionen gebe es in der Slowakei und in Kroatien, die schwächste in der Tschechischen Republik, Polen liege dazwischen.

[Druckansicht]

 

   

"Wallfahrt der Jugend"
sollte Fortsetzung finden
» mehr

"Einheit in der Vielfalt"
Erfahrung eines neuen Miteinanders
» mehr

Schlussbotschaft
von der "Wallfahrt der Völker"
» mehr