Erzbischof Vlk: Ja zu EU-Beitritt, aber auch kritische Haltung notwendig
Ökumenische Konferenz in Prag zum Thema "Christen und die Europäische Union" mit Blick auf tschechisches EU-Referendum am 15. Juni (Kathpress 18.2.03)
Der Prager Erzbischof Kardinal Miloslav Vlk unterstützt den EU-Beitritt seines Landes, hat aber darauf hingewiesen, dass einiges in den EU-Institutionen "nicht christlich ist". So gebe es in der europäischen Grundrechte-Charta Inhalte, mit denen Christen nicht einverstanden sein könnten. Vlk äußerte sich bei einer Konferenz zum Thema "Christen und die Europäische Union" in Prag. Veranstalter waren die Tschechische Bischofskonferenz, der Ökumenische Rat der Kirchen und die Konrad-Adenauer-Stiftung. Führende Vertreter aller Konfessionen nahmen teil.
Der Kardinal erinnerte, dass die Aussagen in der Charta über den Schutz der Familie "nur sehr vage" seien. Dadurch sei die Tür für die Gleichstellung von homosexuellen Paaren mit Ehen geöffnet. Zudem sei zwar die Glaubensfreiheit des Einzelnen garantiert, nicht aber die Religionsfreiheit von Institutionen.
Der Bischof von Hradec Kralove (Königgrätz), Dominik Duka, betonte, dass die EU bei ihrer Gründung stärker im christlichen Wertsystem verankert gewesen sei. Der Mensch in seiner Würde und seinen Rechten sei jener Wert, auf den die EU einst gegründet worden sei. Heute hingegen würden Rechte und Würde des Menschen auch in der EU in Frage gestellt.
Vereintes Europa mit christlichen Werten
In einer Erklärung zu der Tagung wird betont, die Kirchen in Tschechien wollten sich am Aufbau eines vereinten Europas beteiligen, das auf den christlichen Werten basiert. Die Kirchen wollten und könnten sich diesem Prozess nicht entziehen. "Wir wenden uns nicht nur an alle Christen, sondern auch an die übrigen Bürger in unserem Land, damit sie die einzigartige Gelegenheit zur Erfüllung der Sehnsucht vieler Generationen nicht versäumen, sich an der Mitgestaltung der europäischen Gemeinschaft zu beteiligen", heißt es in dem Text mit Blick auf das tschechische EU-Referendum am 15. Juni.
Die Kirchen seien sich ihrer Pflicht bewusst, sich an der Vereinigung Europas auf der Grundlage der Achtung des menschlichen Lebens und der ganzen Schöpfung zu beteiligen, heißt es weiter: "Wir unterstützen den Vereinigungsprozess nach den Prinzipien des gegenseitigen Vertrauens, der Solidarität, der Subsidiarität, der Demokratie und des Pluralismus, dem Schutz des Lebens sowie der Hoffnung auf Versöhnung". Das christliche Bekenntnis solle dabei durch dienende Nächstenliebe, ein moralisch verantwortungsvolles Leben und gegenseitige Toleranz bezeugt werden.
Warnung vor Terror der "Gegner"
Der tschechische Außenminister Cyril Svoboda rief dazu auf, die geistliche Einheit Europas zu schützen. Die westliche Zivilisation befinde sich in einem Konflikt mit einer Welt, die deren Kultur und Lebensstil ablehne und mit Terrorismus bedrohe. Es sei wichtig, in Europa zu den jüdisch-christlichen Wurzeln und Werten zurück zu finden, betonte der Minister und fügte hinzu: "Das Christentum definiert klar die Grenzen Europas." Die Besinnung auf die christlichen Werte könne jedoch nur innerhalb der EU erfolgen. Deshalb sei es notwendig, dass sich Christen in der Union engagierten.
Die Europäische Union sei eine Quelle des Friedens, sagte Svoboda weiter. Zugleich sei sie eine Garantie für Stabilität auf dem Kontinent. Beim Referendum der Tschechen über den EU-Beitritt gehe es zugleich auch um ihr eigenes Selbstvertrauen.
Gegen festen christlichen Block
Das geistliche Oberhaupt der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder, Synodalsenior Pavel Smetana, warnte dagegen davor, eine ideologische Grenze zu ziehen. Es sei nicht nötig, die EU als festen christlichen Block zu schaffen. Die Christen sollten vielmehr innerhalb einer großen Freiheit und ohne Angst "ihre Überzeugung als Angebot und großartige Möglichkeit nach Europa tragen". Das lehre die Erfahrung einer Minderheitskirche, die auch in sehr schweren Zeiten ohne Komplexe überlebt habe.
Smetana wies darauf hin, dass ein großer Teil Europas säkularisiert sei. Die Säkularisierung solle als geistlicher Prozess nicht nur negativ angesehen werden, sondern auch als Chance.
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