Kathpress

 
"Christentum ist eine der Wurzeln Europas"

Im Blick auf die künftige Verfassung für die Europäische Union hob Kardinal Schönborn hervor, das Christentum sei eine der grundlegenden und unaufgebbaren Wurzeln Europas und werde es auch bleiben.

Die europäischen Kirchen hätten daher in einem gemeinsamen Brief an den Präsidenten des Konvents, Valery Giscard d'Estaing, ihre Vorstellungen von der Stellung der Kirchen und Religionsgemeinschaften in der künftigen EU deutlich gemacht. Zum einen müsse der Status, den die Religionsgemeinschaften in den nationalen Gesetzgebungen der Mitgliedsstaaten genießen, respektiert werden. Zum anderen müsse die "besondere Identität" der Kirchen und Religionsgemeinschaften anerkannt und ein strukturierter Dialog mit ihnen geführt werden. Weiter müsse die EU Vorsorge treffen, dass die Religionsfreiheit in all ihren Dimensionen - individuell, kollektiv und institutionell - gesichert sei.

Neben rechtlicher Anerkennung sollte die künftige europäische Verfassung in ihrer Präambel Europas "religiöses Erbe" anführen und damit die Bedeutung seiner großen religiösen, spirituellen und geistigen Bewegungen und Traditionen auch für die Zukunft deutlich machen, forderte der Kardinal. Zudem sollte die Präambel einen Bezug zur Transzendenz enthalten; sie sollte den Namen Gottes so erwähnen, dass Nichtgläubige nicht diskriminiert werden. Ein solcher Gottesbezug würde deutlich machen, dass "öffentliche Macht nicht absolut ist", und eine Garantie für die Freiheit der menschlichen
Person darstellt.

Ein Verfassungsvertrag, der keinerlei Bezug zu Religion, Kirchen und Religionsgemeinschaften enthielte, wäre ein "Verfassungsvakuum", warnte Schönborn. Und ein Gottesbezug in der Präambel ohne rechtliche Bestimmungen im nachfolgenden Verfassungstext wäre "nicht komplett".

Weiter schlug Kardinal Schönborn den Ausbau eines strukturierten Dialogs zwischen der EU und den Kirchen vor: So sollte die Kommission einen transparenten Konsultationsprozess zur Begutachtung geplanter Gesetze und Regelungen einführen, in dem auch Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie andere Organisationen der Zivilgesellschaft ihre Meinung einbringen können. Dies würde auch eine Chance sein, "die Union näher an die Bürger zu bringen".

Ferner schlug der Wiener Erzbischof regelmäßige Dialogseminare zwischen den Kirchen und der Gruppe der politischen Berater des Kommissionspräsidenten sowie regelmäßige Treffen zwischen dem Präsidenten und hochrangigen Kirchenrepräsentanten vor. Auch sollte ein eigenes "Verbindungsbüro" der Europäischen Kommission zu den Kirchen die Kontakte erleichtern.

Mitglieder der Delegation Kardinal Schönborns sind u.a. die Chefs der Bischofskonferenzen von Bosnien-Hercegovina (Franjo Komarica/Banja Luka), Kroatien (Josip Bozanic/Zagreb), Ungarn (Istvan Seregely/Eger) sowie Vertreter der Episkopate von Polen, der Slowakei, Sloweniens und der Tschechischen Republik.

Die von Kardinal Schönborn geleitete Delegation wird am Dienstag in Brüssel Gespräche mit Vertretern der für die EU-Erweiterung zuständigen Generaldirektion führen. Österreichische Mitglieder der Delegation sind auch der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Msgr. Ägidius J. Zsifkovics, der Leiter des Katholikentags-Büros, Paul Wuthe, und der Mariazeller Superior P. Karl Schauer.

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